Dieser Artikel entstand aufgrund der Blogparade von Esther Nogler: Älterwerden – na und? Alterslust statt Altersfrust. Der Titel hat mich sofort angesprochen. Den mit meinen 50+ hatte ich schon Halbzeit auf meiner Lebensskala.
Früher hätte ich ohne zu zögern gesagt: Ich bin keine Sekunde älter als 35. Heute sage ich das immer noch – aber mein Rücken lacht mich dabei aus. Und mein Knie ruft leise: „Wer kam letztens nur in Zeitlupe aus der Hocke hoch?“
Trotzdem: Ich mag das Älterwerden. Ich bin gelassener geworden, sicherer, und ich weiß inzwischen ziemlich genau, was mir guttut – und was nicht. Was ich allerdings nicht mag: Dass mein Körper mir regelmäßig sagt, was jetzt nicht mehr geht. Zum Beispiel Fußball.
Wie mich das Leben auf dem Hof jung hält – auch wenn die Gelenke knarzen
Mein Alltag auf dem Milchviehbetrieb hält mich geistig wach, körperlich in Bewegung und mental flexibel. Wer jeden Tag aufs Neue improvisieren muss, wenn es mal wieder nicht so läuft wie geplant – weil der Roboter spinnt, das Kalb früher kommt oder das Wetter einen Strich durch die Planung macht – bleibt automatisch fit im Kopf.
Und wenn ich doch mal das Gefühl habe, durchzudrehen, reicht oft ein Blick in die Kuhaugen – oder ein lauter Fluch, den nur die Kühe hören. Auch eine Form der Altersfürsorge.
Das ist meine Art von Altersfitness – selbst wenn ich nach einem besonders wilden Tag eher wie eine altgediente Kampfsportlerin mit Gummistiefeln aussehe.
Späte Mutterschaft = Turbo-Jungbrunnen?
Nicht nur die Kühe halten mich auf Trab – auch meine Kinder. Ich bin erst spät Mutter geworden, und während andere in meinem Alter schon Kinder haben, die flügge oder längst ausgezogen sind, wohnen meine beiden Jungs noch zu Hause. Das hält jung – körperlich und geistig.
Wenn ich auf Elternabenden zwischen jungen Müttern sitze, spüre ich manchmal den Altersunterschied, ja. Aber ich bringe auch eine Portion Gelassenheit mit, die mir damals in ihren Schuhen definitiv gefehlt hätte. Ich mache mir weniger Stress, bin geduldiger – und weiß, dass man nicht aus jeder Mücke einen pädagogischen Elefanten machen muss.
Weniger müssen, mehr wollen – was mir das Alter geschenkt hat
Früher hätte ich alles unter einen Hut gequetscht: Familie, Hof, Praxis, Ehrenamt, Geburtstagskuchen und Elternabend. Und ich hätte mich dabei auch noch bemüht, so auszusehen, als wäre das alles ganz easy. Heute frage ich mich manchmal: Warum eigentlich?
Mit den Jahren kommt nicht nur mehr Gelassenheit, sondern auch die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen. Ich muss nicht mehr jedem alles recht machen. Ich darf Dinge absagen, mir Hilfe holen oder sagen: „Heute nicht. Heute bin ich dran.“
Ich habe gelernt, dass „Nein“ kein Zeichen von Schwäche ist, sondern ein Ja zu mir selbst. Dass nicht alles perfekt sein muss – und dass manchmal ein Butterbrot besser ist als ein Drei-Gänge-Menü mit Stressbeilage.
Und wenn ich mir heute bewusst Zeit für mich nehme – sei es für Pilates, ein Gespräch mit einer Freundin oder einfach fünf Minuten allein mit einer Tasse Tee und einem Buch – dann fühlt sich das nicht nach Egoismus an. Sondern nach gesunder Selbsterhaltung.
Denn weniger müssen heißt nicht, weniger leisten. Es heißt nur: nicht mehr überall gleichzeitig brennen, sondern gezielt leuchten. Und das kann verdammt gut tun.
Fußball? Vielleicht lieber Gartenschach
Ich war leidenschaftliche Fußballerin – und das meine ich ernst. Während meiner Zeit in Hannover hatte ich meine beste Fußballzeit. Und auch hier in der Grafschaft habe ich noch einmal angefangen zu kicken. Der Wille war da, der Spaß sowieso. Aber mit 50+ musste ich dieses Vorhaben leider ad acta legen.
Will heißen: Die Knie meldeten sich nach jedem Spiel, dann kam ein Muskelfaserriss – und überhaupt: immer wieder kleine Verletzungen, die früher einfach nicht passiert sind. Mein Körper sagte ziemlich deutlich: „Such dir was Altersgerechtes, du Heldin.“
Was mich zusätzlich geärgert hat: Im Verein gibt’s natürlich eine „Alte-Herren“-Mannschaft – aber keine „Alten Damen“. Der Versuch, so eine Mannschaft ins Leben zu rufen, scheiterte bedauerlicherweise an mangelnder Teilnahme. In meinem Alter war Frauenfußball noch nicht so populär – wir hatten als Mädchen oft nicht mal eine eigene Mannschaft, und wer kicken wollte, musste sich bei den Jungs durchbeißen. Auch ich habe bis zur D-Jugend in einer Jungs-Mannschaft gespielt.
Mit 18-jährigen um die Wette rennen, ist da ehrlich gesagt schon frustrierend. Einfach nur ein bisschen Kicken mit Gleichgesinnten, alle auf halbwegs gleichem Niveau, ohne den Ehrgeiz, den Ball ins nächste Bundesliganiveau zu jagen – das wär’s gewesen.
Tja, war’s nicht.
Jetzt tanze ich eben in der Küche – oder, noch besser: Ich mache Pilates. Herausfordernd, keine Frage. Gut für die Fitness, definitiv. Aber mein Sport? Nö. Eher wie Zähneputzen für den Körper – sinnvoll, aber Spaß ist für mich was anderes.
Weisheit mit Matsch an den Stiefeln
Älterwerden heißt für mich nicht, abzubauen. Es heißt, umzubauen: Prioritäten, Erwartungen, Bewegungsabläufe. Ich renne weniger – dafür gehe ich gezielter. Ich plane klüger, höre besser auf mein Bauchgefühl und erkenne viel schneller, wenn jemand (ob Mensch oder Tier) nicht ganz rundläuft.
Für Tätigkeiten, die mir zunehmend schwerfallen, bin ich mir nicht zu schade, um Hilfe zu bitten. Dafür fragen mich andere um Rat, wenn es um Dinge geht, in denen ich heute richtig gut bin – Erfahrung, Überblick, Schreiben. So wiegen sich körperliche Defizite mit geistiger „Erfahrung“ auf.
Ich bin vielleicht nicht mehr schnell – aber ich bin gut. Und ich bin da, wo ich sein will.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
Liebe Anke
Was für eine schöne Erkenntnis und Feststellung von dir:
«Ich mag das Älterwerden. Ich bin gelassener geworden, sicherer, und ich weiß inzwischen ziemlich genau, was mir guttut – und was nicht.»
Vielen Dank, dass du an meiner Blogparade mitgemacht hast, und sie mit deinem offenen, unterhaltsamen Artikel bereichert hast.
Ich hoffe, dass du immer wieder mal ein Fussballspiel geniessen kannst, wenn du auch nicht mehr aktiv auf dem Rasen bist.
Alles Liebe und Gute
Esther