Mein Weg in die Landwirtschaft machte einen Umweg über die Tiermedizin. Tierarzt wollte ich angeblich schon im Kindergarten werden. Ich habe mich als Kind schon viel in der Natur aufgehalten, verletzte Tiere aufgesammelt und versucht, sie wieder aufzupäppeln. Zu Hause hatte ich keine Berührung mit Landwirtschaft. Das einzige Haustier war ein Hund und ein Zwergkaninchen.
Das Schulpraktikum habe ich dann nicht bei einem Tierarzt gemacht, sondern beim Zollamt in Lingen. Zu dieser Zeit gab es keine Tierarztpraxis in der Nähe, die Praktikanten genommen hat und die nächste war einfach zu weit weg für meine damals eingeschränkte Mobilität. Trotzdem bestand der Wunsch weiterhin. Nach dem Abitur und vielen Versuchen meines Vaters, mir diesen Beruf auszureden, habe ich dann in Hannover an der Tierärztlichen Hochschule in der Klinik für Gynäkologie des Rindes und in der Ambulatorischen Klinik der TiHo ein Praktikum absolviert. Das bekräftigte meinen Entschluss und entfachte meine Leidenschaft für Kühe. Ich musste nämlich ein Jahr auf meinen Studienplatz warten und habe in dem Jahr Praktika und Ferienjobs gemacht.
Im Sommer hatte ich mich dann auf der Berufsschule zur Ausbildung als Tierwirt angemeldet, damit eine mögliche erneute Wartezeit auf einen Studienplatz sinnvoller mit dem Beginn einer Ausbildung überbrückt wurde. Hier hatte ich dann erstmals „richtigen“ Kontakt zur Landwirtschaft, denn die Ausbildung von Landwirten, Tierwirten und Pferdewirten fand gemeinsam statt. . Im Oktober 1989 nahm ich das Studium der Tiermedizin an der TiHo Hannover auf.
Nach meiner Approbation begann ich dann in einer Gemischtpraxis zu arbeiten. Weiterhin lag mein Augenmerk auf der Rinderpraxis, wenn ich auch in einer Gemischtpraxis nicht um die anderen Tiere drumherum kam. Nach 2 Jahren in der Praxis zog es mich dann wieder an die TiHo nach Hannover zurück, um zu promovieren.
Meine Doktorarbeit fertigte ich dann folgerichtig in der Klinik für Rinder an. Mein Thema der Doktorarbeit war einfach gesagt Ultraschalluntersuchungen an lungenkranken Kälbern oder in fachsprachlich: Sonographische Lungenbefunde bei klinisch gesunden und lungenkranken Kälbern: Beziehungen zu klinischem Bild sowie labordiagnostischen und impulsoszilloresistometrischen Ergebnissen. Während der Anfertigung der Dissertation habe ich als Assistentin in der Klinik gearbeitet.
Es war also der Grundstein für meine Karriere im Kuh-Bereich gelegt. Auch in meiner weiteren tierärztlichen Tätigkeit war ich größtenteils im Rindersektor unterwegs, in Norddeutschland (Oldenburger Land, Emsland, Schleswig-Holstein) und in Süddeutschland (Oberpfalz und Taubertal).
In Süddeutschland und Schleswig-Holstein habe ich Praxisvertretungen gemacht. Wenn also der Praxisinhaber oder sein Mitarbeiter im Urlaub waren, habe ich die Praxis dort weitergeführt. In der Oberpfalz, wo ich für Vertretungsdienste am häufigsten war, konnte ich meine Fertigkeiten zur Geburtshilfe sehr voranbringen. Eine große Herausforderung dort war für ein Nordlicht wie mich der dort gesprochene Dialekt. Selbst wenn die Leute „Hochdeutsch“ geredet haben, konnte ich sie zu Beginn manchmal nicht verstehen. Das wurde dann von Mal zu Mal besser.
Dann trat mein Mann in mein Leben. Und er hatte Milchkühe im Gepäck. Da traf Liebe und Leidenschaft aufeinander oder wie man heute sagt: Es hat gematched.
Seit 2006 bin ich nun mit meinem Mann verheiratet und seitdem wechselte meine tierärztliche Tätigkeit langsam aber stetig zu einer landwirtschaftlichen. Ich war zu der Zeit noch in einer Gemischtpraxis in der weiteren Umgebung tätig. Nachdem ich meine Vollzeitstelle in dieser Gemischtpraxis immer weiter reduziert und zuletzt nur noch einen Tag in der Woche dort gearbeitet hatte, steigerte sich meine Tätigkeit auf dem Hof immer mehr. Die Reduktion meiner Arbeitszeit dort war auch den Kindern geschuldet. Wenn ich arbeiten gegangen bin, musste ich gegen 7 Uhr aufbrechen und war häufig erst gegen 20 Uhr wieder zu Hause. Auch Wochenenddienste habe ich zu Beginn noch geleistet. Mit Familie war das allerdings auf Dauer nur schwer vereinbar.
Spätestens als die Jungs in die Schule kamen, habe ich mich dazu entschieden, meine Arbeitszeit in der Praxis auf einen Tag zu reduzieren. Es wurde dann der Freitag, denn da waren in der Regel keine Hausaufgaben anzufertigen. Durch die stetig steigende Reduktion der Arbeitszeit fiel mir der Schritt, ganz aufzuhören, nicht mehr schwer. Zu Hause im Betrieb gab es genug zu tun und ich konnte meine ganze Arbeitskraft dort einbringen und war jederzeit für meine Kinder greifbar. Das ist ein großer Vorteil auf einem landwirtschaftlichen Betrieb, Mama und Papa sind immer da.
Meine Zuständigkeitsbereiche erstrecken sich natürlich über die Tiergesundheit, die Kälberaufzucht und das Fruchtbarkeitsmanagement in unserer Herde.
Mein ältester Sohn hat mit der Ausbildung zum Landwirt begonnen. Wenn er mit seiner Ausbildung fertig ist, werde ich mich wieder etwas aus dem Arbeitsleben zurückziehen. Die Tiergesundheit wird weiterhin in meinen Bereich fallen, aber die anderen Bereiche gebe ich dann gerne in andere verantwortungsvolle Hände. Dann bleibt wieder mehr Zeit für meine Hobbys.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
So spannend zu lesen, wie du zur Landwirtschaft gekommen bist und vor allem: Zu den Kühen ?
Das sollte wohl alles so sein, denn wie oft kommt es dazu, dass man dann auch noch die Liebe findet bei jemandem, der Milchkühe im Gepäck hat ?
Wir haben deinen Artikel so gerne gelesen und unsere Minis sind gerade außer Rand und Band, weil sie Kühe toll finden ?
Liebe Grüße
Nika