In einem Milchviehbetrieb gibt es Hilfsmittel, die die Brunsterkennung und die Gesundheitsüberwachung der Kühe erleichtern. Ein Brunsterkennungssystem ist ein technisches Hilfsmittel, das die Brunstanzeichen bei Kühen automatisch erfasst, meist durch Bewegungs- oder Aktivitätssensoren. Es hilft Landwirten, den optimalen Besamungszeitpunkt zu bestimmen und so die Fruchtbarkeit und Effizienz im Betrieb zu verbessern.
Es gibt verschiedene Systeme. In unserem Betrieb haben wir lange Heatime von der Firma SCR genutzt. Mittlerweile sind wir auf den Cow Manager umgestiegen.
Die Bedeutung der Brunsterkennung
Die Brunsterkennung ist ein wichtiger Bestandteil bei der Arbeit in einem Milchviehbetrieb. Mehr über die Brunst findest du in diesem Artikel. Eine Kuh muss nach jeder Laktation wieder tragend werden, damit sie weiterhin Milch produziert. Mehr über die Brunst findest du in diesem Artikel. Früher war man zur Brunsterkennung auf direkte Beobachtung angewiesen. Das bedeutete, dass man viel Zeit im Stall verbringen musste, um Brunstsymptome wie Unruhe oder Aufspringen zu erkennen. Dies war nicht nur zeitaufwendig, sondern auch unzuverlässig, da die Brunstsymptome oft nur wenige Stunden auftreten. Nachts oder während anderer Arbeiten konnte es leicht passieren, dass man die Brunst einer Kuh verpasste.
Automatisierte Brunsterkennungssysteme
Um dieses Problem zu lösen, wurden elektronische Brunsterkennungssysteme entwickelt. Sie werden an der Kuh angebracht und erfassen ihre Aktivität rund um die Uhr. Während einer Brunst steigt die Aktivität der Kuh an, während sich Liegephasen und Wiederkautätigkeit reduzieren. Es gibt verschiedene Varianten dieser Systeme, darunter:
- Halsbänder
- Fußbänder
- Ohrmarken
Studien haben gezeigt, dass diese Systeme genauer arbeiten als die menschliche Beobachtung, da sie auch schwache Brunstsymptome erfassen und 24 Stunden am Tag im Einsatz sind. Allerdings sind sie mit hohen Investitionskosten verbunden.
Technologien zur Brunsterkennung
Brunsterkennungssysteme verwenden verschiedene Methoden und Technologien, um die Anzeichen der Brunst zu erfassen. Dazu gehören:
- Bewegungssensoren: Tiere in der Brunst zeigen oft vermehrte Aktivität und Unruhe. Sensoren, die am Hals oder Bein der Tiere angebracht sind, messen diese Aktivität und können daraufhin erkennen, ob das Tier in der Brunst ist.
- Temperatursensoren: Die Körpertemperatur von weiblichen Tieren kann während der Brunst steigen. Spezielle Sensoren messen kontinuierlich die Temperatur und zeigen Veränderungen an.
- Verhaltenserkennung: Bestimmte Verhaltensweisen wie das Bespringen anderer Tiere oder häufigeres Urinieren können als Hinweise auf die Brunst dienen. Einige Systeme verwenden Kameras oder spezielle Algorithmen, um dieses Verhalten zu überwachen.
- Pedometer: Diese Geräte messen die Anzahl der Schritte, die das Tier macht. Während der Brunst zeigt das Tier oft erhöhte Bewegungsaktivität, die mit Pedometern erfasst werden kann.
- Vaginale Sensoren: Diese Sensoren werden in die Scheide des Tieres eingeführt und messen physische und chemische Veränderungen, die während der Brunst auftreten.
Erweiterte Funktionen: Gesundheitsüberwachung
Moderne Systeme können mittlerweile nicht nur die Brunst erkennen, sondern auch wichtige Gesundheitsdaten erfassen. Sie überwachen unter anderem:
- Aktivität
- Fressverhalten
- Wiederkautätigkeit
Weichen diese Werte von der Norm der Kuh ab, lösen die Systeme einen Alarm aus. So kann man frühzeitig reagieren und ein Tier gezielt untersuchen, bevor es ernsthaft erkrankt.
Vorteile von Brunsterkennungssystemen
- Optimierung der Reproduktionsrate: Ein Brunsterkennungssystem hilft, den optimalen Zeitpunkt für die Besamung zu erkennen, wodurch die Befruchtungschancen steigen.
- Zeit- und Kostenersparnis: Die automatisierte Erkennung spart Zeit, da Landwirte nicht ständig die Tiere überwachen müssen.
- Verbesserte Tiergesundheit: Durch präzise Überwachung können gesundheitliche Probleme schneller erkannt und behandelt werden.
Brunsterkennungssysteme sind vor allem in der modernen Landwirtschaft verbreitet, um die Reproduktionsleistung von Nutztieren zu maximieren.
Unsere Erfahrungen mit Heatime und CowManager
In unserem Betrieb haben wir sowohl mit Heatime als auch mit CowManager gearbeitet. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Heatime war lange im Einsatz, doch letztendlich haben wir uns für den Wechsel zum CowManager entschieden. Neben diesen beiden Systemen gibt es viele weitere Anbieter auf dem Markt, sodass jeder Betrieb individuell entscheiden kann, welches System am besten zu seinen Anforderungen passt.
Heatime von SCR – unser erstes Brunsterkennungssystem
Mit diesem Brunsterkennungssystem der Firma SCR sind wir gestartet. Bei diesem System erhält jedes Tier, das zur Brunsterkennung ausgewählt wurde, ein Halsband. Wir haben alle Kühe nach dem Abkalben bis zur festgestellten Trächtigkeit sowie Rinder, die vom Alter her zur Besamung vorgesehen waren, mit einem Halsband ausgestattet. Um die gesamte Herde mit Halsbändern auszurüsten, war uns die Investition jedoch zu groß.
Funktionsweise und erste Erfahrungen
Die Brunsterkennung funktionierte sehr gut. Die Brunst wurde auf einem Display im Stall und auf einem PC angezeigt.
Herausforderungen mit dem System
Ein großer Nachteil in unserem Betrieb war das Wechseln der Halsbänder nach einer festgestellten Trächtigkeit. Zudem gab es nach der Abnahme der Halsbänder keine Brunstbeobachtung mehr durch das System, und auch wir haben die Tiere nicht mehr so intensiv beobachtet. Dadurch entgingen uns Aborte mit einer anschließenden erneuten Brunst. Da wir die Trächtigkeit mittels Ultraschall bereits ab dem 26. Tag feststellen lassen, kam es vor, dass eine Trächtigkeit nicht bestehen blieb. Solche Tiere fielen dann oft nur durch Zufall auf, wenn wir bei der Stallarbeit Brunstsymptome beobachteten und die Trächtigkeit erneut kontrollierten.
Mit der Zeit waren die Akkus der Halsbänder leer, und es stellte sich die Frage: neue Halsbänder oder ein anderes System?
Umstieg auf CowManager
Mittlerweile sind wir auf das CowManager-System umgestiegen. Bei den Halsbändern des Heatime-Systems waren viele Akkus leer und hätten erneuert werden müssen. Zudem gab es in der Handhabung einige Einschränkungen, die man nur gegen Aufpreis erhalten konnte, sodass wir uns letztendlich für ein anderes System entschieden haben.
Vorteile des CowManager-Systems
Beim CowManager gibt es keine Halsbänder, sondern spezielle Ohrmarken. Jede Kuh bekommt eine extra Ohrmarke, die sowohl die Daten zur Brunsterkennung als auch zur Erfassung von Gesundheitsdaten übermittelt. Dies erleichtert das Management der Herde und bringt einige praktische Vorteile mit sich.
Man muss nicht mehr Halsbänder wechseln, sondern hat die Kuh ihr ganzes Leben lang im Blick – sowohl in Bezug auf Brunst als auch auf Gesundheit. Auf die Ohrmarken gibt es Garantie, und für eine defekte Ohrmarke erhält man eine neue.
Die Daten sind sowohl auf dem PC als auch in einer App auf dem Handy abrufbar. Zusatzmodule ermöglichen es, die Fütterung besonders in der Transitphase aufgrund von Gesundheitsdaten im Vergleich zur Herde zu überwachen.
Alles in allem ist der CowManager zwar nicht preisgünstig, bringt jedoch einen Mehrwert an Gesundheitsdaten und eine bessere Handhabbarkeit durch die Handy-App.
Neben diesen beiden Systemen gibt es viele weitere Anbieter auf dem Markt, sodass jeder Betrieb individuell entscheiden kann, welches System am besten zu seinen Anforderungen passt. Und die Entwicklung steht nicht still, es kommen neue Brunsterkennungssysteme auf den Markt. Ein Hauptaugenmerk wird in Zukunft vielleicht auf der Vernetzung der einzelnen Programme zum Herdenmanagement und den Brunsterkennungssystemen liegen.
Hast du Erfahrungen mit einem Brunsterkennungssystem? Welches nutzt du und warum?

Liebe Anke, das war ein sehr interessanter Artikel. Die Frage, ob Laktoseintoleranz heute häufiger ist, habe ich mir auch schon…