Als Dippen wird das Eintauchen oder Besprühen der Zitzen nach dem Melken bezeichnet. Der Strichkanal bleibt nach dem eigentlichen Melkvorgang noch eine Zeitlang geöffnet. Eine genaue Erklärung findest du in meinem Artikel über die Grundlagen der Laktation. Um ein Eindringen von Keimen in dieser Zeit zu vermeiden oder zumindest zu minimieren, ist das Dippen der Zitzen wichtig. Es bedeutet zwar einen Arbeitsgang mehr, der sich aber in jeder Hinsicht auszahlt. Denn eine Infektion des Euters kann zu einer Krankheit der Kuh mit einem mehr oder weniger beeinträchtigtem Allgemeinbefinden und damit zu einem Milchrückgang führen. Dann wird häufig eine antibiotische Behandlung notwendig, die allein schon Geld kostet. In dieser Zeit darf die Milch aber auch nicht an eine Molkerei geliefert werden und muss dementsprechend entsorgt werden. Deswegen sollte man ein großes Interesse daran haben, Infektionen des Euters zu vermeiden. Dippen ist dabei ein wichtiger Aspekt.
Wirkungsweise von Dippmitteln
Ein wichtiger Aspekt beim Dippen ist die Desinfektion, um Erreger auf der Zitzenhaut abzutöten, während der Strichkanal nach dem Melken noch einige Zeit offen ist.
Mit verschiedenen Mitteln kommt man hier zum Erfolg:
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- Jod: breit wirkendes Desinfektionsmittel
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- Chlorhexidin: hoch wirksames und schnellwirkendes Desinfektionsmittel
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- Chlordioxid: wird häufig in Zweikomponenten-Dippmitteln eingesetzt, stark bakterizid (also Bakterien abtötend)
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- Milchsäure: organische Säure mit desinfizierender Wirkung
Die desinfizierenden Wirkstoffe entziehen der Haut allerdings häufig Feuchtigkeit und Fett. Deswegen ist es wichtig, diese desinfizierenden Wirkstoffe mit pflegenden Mitteln zu kombinieren.
Deswegen werden Dippmitteln häufig pflegende Komponenten hinzugefügt. Sie sollen sie die Zitzenhaut pflegen. Beim Melkvorgang wird die Zitzenhaut sehr beansprucht. Durch Rückfluss von Milch in den Melkbecher wird die Haut aufgeweicht. Durch das wechselnde Vakuum beim Melkvorgang, der das Saugen imitiert, selbst wird die Haut der Zitze zusätzlich beansprucht. Deshalb ist es wichtig, dass ein Dippmittel pflegende und rückfettende Inhaltsstoffe hat.
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- Glycerin und Propylenglykol: diese Kombination ist feuchtigkeitsspenden und pflegend
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- Lanolin, Allantoin oder Glycerol: sie sind fettspendend und haben heilende Wirkung auf rissige Zitzenhaut.
Mittlerweile gibt es auch Dippmittel, die einen Film bilden, wie eine zweite Haut und somit eine mechanische Barriere aufbauen. Diese brauchen dann keine zusätzlichen desinfizierenden Wirkstoffe. Durch solche Barriere-Dippmittel werden vor allem Infektionen aus der Umgebung der Kuh verhindert. Also z. B. Erreger in der Einstreu, die beim Liegen der Kuh auf und in die Zitzen gelangen können. Aus diesem Grund ist es auch hilfreich, dass den Kühen direkt nach Verlassen des Melkstandes Futter angeboten wird, damit sie sich nicht gleich nach dem Melken hinlegen, sondern noch einige Zeit stehen. In dieser Zeit kann sich der Strichkanal wieder verschließen und auch so kann man das Risiko von Infektionen aus der Umgebung der Kuh minimieren.
Anwendung von Dippmitteln
Es gibt zwei Möglichkeiten, Dippmittel anzuwenden. Sie können auf die Zitzen gesprüht oder die Zitzen in das Dippmittel getaucht werden. Ein Nachteil beim Sprühen ist häufig, dass nicht die gesamte Zitze mit dem Mittel benetzt wird. Man nennt das auch Sprühschatten. Beim Eintauchen der Zitze in das Dippmittel wird in der Regel die gesamte Zitze benetzt. Hier ist ein Nachteil, dass die Zitzen nacheinander mit der gleichen Dippration in Berührung kommen und so evtl. Erreger auch auf andere Zitzen oder sogar andere Kühe übertragen werden können.
Auf dem Markt gibt es verschieden Arten von Dippmitteln:
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- fertige Lösungen, die direkt angewendet werden können
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- Konzentrate, die vor der Anwendung entsprechend verdünnt werden müssen
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- Zweikomponenten-Dippmittel: hier müssen zwei verschieden Komponenten in einem bestimmten Mischungsverhältnis vor der Anwendung gemischt werden, um eine gebrauchsfähige Lösung zu erhalten
Welches Dippmittel im jeweiligen Betrieb verwendet wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Die Handhabung einer fertigen Lösung ist natürlich einfacher als eine Lösung aus einem Konzentrat oder aus zwei Komponenten herzustellen. Der Infektionsdruck spielt eine große Rolle. Hat der Betrieb mit hohen Zellzahlen und einer hohen Mastitisrate zu kämpfen, sollten Dippmittel mit einem Desinfektionsmittel benutzt werden. Oder steht die Pflege der Zitzenhaut im Vordergrund, dann können auch Dippmittel eingesetzt werden, die nur ein Pflegemittel enthalten. So muss jeder Betrieb entscheiden, welches Mittel für ihn richtig ist. Der Hoftierarzt kann dabei ein guter Ratgeber sein.

Liebe Anke, das war ein sehr interessanter Artikel. Die Frage, ob Laktoseintoleranz heute häufiger ist, habe ich mir auch schon…