Die Rastzeit bezeichnet in der Laktation der Kuh die Zeit zwischen der Abkalbung und der ersten Besamung oder Bedeckung. Welche Kriterien für die Bestimmung der Rastzeit eine Rolle spielen, liest du im Artikel.
Die biologische Rastzeit
Nach der Geburt eines Kalbes benötigt die Kuh etwa 6 Wochen, bis sich die Fortpflanzungsorgane, also die Gebärmutter und die Eierstöcke, in den ursprünglichen Zustand wie vor der Trächtigkeit zurückgebildet haben. Theoretisch wäre dann also eine neue Trächtigkeit möglich.
Diese Zeit ist aber zu kurz, denn in den ersten 6 Wochen steigt auch die Milchleistung stark an. Die Umbau- und Erneuerungsprozesse der Fortpflanzungsorgane stehen somit in Konkurrenz zur Milchleistung. Um das alles zu bewerkstelligen, sollte die sogenannte biologische Rastzeit berücksichtigt werden. Diese Erholungszeit ist kein statischer Wert, sondern sollte individuell an das jeweilige Tier angepasst werden.
Die Gebärmutter muss für eine erneute erfolgreiche Besamung wieder vollständig zurückgebildet sein. Zudem sollte sie fast keimfrei sein. Ist also in der Rastzeit noch ein Ausfluß, der eitrig ist oder stinkt, kann man davon ausgehen, dass die Gebärmutter noch entzündet ist. In diesem Fall ist eine Behandlung angesagt. Dabei wird eine desinfizierende schleimhautverträgliche Flüssigkeit, zum Beispiel eine verdünnte Jodlösung, oder bei einer eitrigen Entzündung Antibiotika in die Gebärmutter eingebracht. Eine Ausheilung der Gebärmutter kann man äußerlich am Abgang von klarem Schleim erkennen.
Wichtig ist auch die Funktion der Eierstöcke. Diese sollten wieder eine regelmäßige, zyklische Aktivität aufweisen.
Die Körperkondition, das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand der Kuh müssen bei der Bemessung der Rastzeit ebenfalls berücksichtigt werden.
Ein sehr wichtiger Faktor ist die Tagesmilchleistung der Kuh. In den ersten 8 Wochen der Laktation kommt es aufgrund der steigenden Milchleistung trotz einer intensiven Fütterung zu einem Energiedefizit. Das aufgenommene Futter reicht dann nicht aus, den Energie- und Stoffwechselbedarf der Kuh bei einer steigenden Milchleistung zu decken. In dieser Zeit zehrt die Kuh von den Körperreserven und nimmt an Gewicht ab. Nach etwa 100 Tagen nach der Geburt sollte die Phase des Energiedefizites wieder ausgeglichen sein. Eine höhere Kraftfuttergabe ist nur zu einem begrenztem Maße möglich, denn die Ration der Kuh muss wiederkäuergerecht bleiben. Eine zu hohe Konzentration an leicht verdaulichen Kohlenhydraten, die dem Energiedefizit entgegenwirken würden, kann das Gleichgewicht der Mikroorganismen im Pansen der Kuh durcheinander bringen und die Kuh krank machen.
Bei einem ausgeprägten Energiedefizit der Kuh ist die Funktion der Eierstöcke eingeschränkt. Das ist wie ein Selbstschutz der Kuh zu sehen, um einer möglichen Trächtigkeit in dieser Phase zu entgehen.
Wie wir die Rastzeit festlegen
In unserem Betrieb wird die Rastzeit für jede einzelne Kuh festgelegt. Unser Brunsterkennungssystem zeigt jede Brunst der Kuh an. Vor dem 60. Tag wird bei uns keine Kuh besamt. Je mehr Milch die Kuh gibt, desto später der Besamungszeitpunkt. Als Faustregel gilt bei uns 60 Tage nach der Kalbung plus die Milchleistung in Tagen, also gibt eine Kuh 40 Liter Milch, dann besamen wir sie erst mit etwa 100 Tagen. Wir haben auch den Verlauf der Laktationskurve im Blick. Es gibt Kühe, die zum Ende der Laktation sehr schnell in ihrer Milchleistung abfallen – diese werden früh besamt. Andere Kühe geben lange Zeit viel Milch, diese werden später besamt. Man muss seine Kühe gut kennen, um den günstigsten Besamungszeitpunkt zu finden. Natürlich spielt bei uns auch der allgemeine Gesundheitszustand eine Rolle. Manche Kühe brauchen einfach etwas länger, um nach der Kalbung wieder gut fit zu werden. War die Geburt komplikationslos? Gab es eine Nachgeburtsverhaltung? Frisst die Kuh gut? Ist die Kuh lahm? Ist der BCS der Kuh im Rahmen? Alles Fragen, die einen Einfluss auf den Besamungszeitpunkt haben. In einem solchen Fall ist eine Besamung wahrscheinlich nicht von Erfolg gekrönt, obwohl es natürlich Ausnahmen gibt. Meistens hat aber die Gesundheit der Kuh Vorrang vor einer erneuten Trächtigkeit.
Nach welchen Kriterien sucht ihr den Besamungszeitpunkt aus? Schreib es gerne in die Kommentare

Liebe Anke, das war ein sehr interessanter Artikel. Die Frage, ob Laktoseintoleranz heute häufiger ist, habe ich mir auch schon…