Die Milchkontrolle wird von verschiedenen Landeskontrollverbänden (LKV) organisiert. Wir gehören zum LKV Weser-Ems. Der LKV Weser-Ems ist wiederum unterteilt in die örtlichen Milchkontrollvereine. Zu unserem Milchkontrollverein gehören zurzeit noch 14 milchliefernde Betriebe. Die Mitgliedschaft ist freiwillig, aber laut der Website des LKV Weser-Ems werden für über 90 % der Kühe im Einzugsgebiet des LKV Milchkontrollen durchgeführt.
Wie wird die Milchkontrolle durchgeführt?
Bei der Milchkontrolle werden alle melkenden Kühe eines Betriebes beprobt. Von jeder Kuh wird die Milchmenge erfasst und eine Milchprobe genommen. Um eine genauere Probe und Literzahl zu bekommen, findet die Milchkontrolle an zwei aufeinanderfolgenden Melkzeiten statt. Bei uns erfolgt die erste Kontrolle abends und die zweite am darauffolgenden Morgen.
Durchgeführt wird die Kontrolle von einem MilchleistungsprüferIn. Die Kontrolle findet elfmal im Jahr statt, also etwa alle vier Wochen, mit einer Pause in den Sommerferien. Zurzeit muss ich an unserer Melkanlage kleine Behälter anbauen, in denen während des Melkens eine bestimmte Menge der Milch gesammelt wird. Beim Melken mit dem Melkroboter funktioniert es dann anders. Den Bericht werde ich dann zu gegebener Zeit anpassen.
Aus dieser gesammelten Milch wird dann eine definierte Menge als Milchprobe für die jeweilige Kuh entnommen. Bei der ersten Kontrolle ist es jeweils gleich viel Milch für die Probe. Bei der zweiten Kontrolle ist es abhängig von der Milchleistung im Vergleich zur ersten Kontrolle, ob etwas weniger oder etwas mehr Milch in das Probenröhrchen gefüllt wird.
Was wird in der Milchkontrolle erfasst?
Bei der Milchkontrolle wird nicht nur die jeweilige Milchleistung der Kuh erfasst, sondern noch einige Parameter mehr. Die Milchleistung wird bei uns bei jedem Melken angezeigt. Es gibt auch einen Alarm, wenn die Milchmenge deutlich unter dem erwarteten Wert liegt. Dann muss man genauer hinschauen, was dafür die Ursache ist. Ein technisches Problem, eine Euterentzündung oder sonstige Erkrankung der Kuh oder eine Brunst können als Ursache infrage kommen.
Die Milchproben aus der Milchkontrolle werden im Labor dann auf folgende Parameter untersucht.
Milchinhaltsstoffe: Fett, Eiweiß, Laktose und Harnstoff
Milchqualität: somatische Zellen
Möchtest du mehr über die Milch wissen, klicke hier.
Einige Tage später bekommt man dann einen Bericht mit allen ermittelten Daten der Kuh zum aktuellen Milchkontrollzeitpunkt und zu den vergangenen. Einen Beispielbericht kannst du hier sehen. Im Bericht werden sowohl die Einzeltierleistungen als auch die Herdenleistung dargestellt. Zur Orientierung gibt es einen Vergleich zu den 25 % der besten Betriebe im Kontrollgebiet und zum Vorjahr.
Es folgt eine Herdenübersicht mit der Entwicklung in den letzten Monaten und einer Übersicht über die Fruchtbarkeit der Herde anhand von bestimmten Kennzahlen. Eine weitere Seite des Berichtes widmet sich der Herde in Bezug auf die Zucht. Auch dort wird ein Vergleich mit dem Durchschnitt und den 25 % besten Betrieben gezogen, sodass man seine eigene Leistung einordnen kann. Auf den folgenden Seiten werden die Prüfungsergebnisse der einzelnen Kühe aufgeführt. Die Zellzahlen und ihre Entwicklung sind ebenfalls für die einzelnen Kühe auf eigenen Seiten dargestellt. Dieser Parameter ist ein wichtiger Hinweis auf die Eutergesundheit, sowohl bei dem Einzeltier, als auch im Hinblick auf die Eutergesundheit der Herde. Hier kann man auf einen Blick alle kritischen Zellzahlen sofort erfassen.
Die Harnstoffwerte und die Fett- und Eiweißgehalte der einzelnen Kühe sind nach Melktagen geordnet auf den nächsten Seiten aufgeführt. Diese Parameter zusammen geben einen Hinweis auf die Ausgewogenheit der Fütterung und die Stoffwechselgesundheit der Kühe. Eine bildliche Darstellung der Werte gibt es in mehreren Diagrammen. Hier erkennt man sofort, wie es um die Fütterung der Herde bestellt ist. Jede Kuh ist ein Punkt im Diagramm. Es sollte möglichst wenige Ausreißer geben und „die Wolke“ der Punkte sich in der Mitte breit machen.
Als Letztes folgt eine Aktionsliste. Hier sind die Kühe nach ihrem Fruchtbarkeitsstatus sortiert. Zuerst kommen die Kühe, die abgekalbt haben. Dann folgen die belegten, also besamten Kühe, sortiert nach dem Besamungsdatum. Anschließend noch die Färsen, also besamte Rinder, und die weiblichen Zuchtkälber.
Wozu brauchen wir die Milchkontrolle?
Wie man sieht, werden eine Vielzahl von Daten in so einem Ergebnisbericht einer Milchkontrolle erfasst. Diese Daten sind wichtig, um die Herdengesundheit und auch die Einzeltiergesundheit im Auge zu haben. Häufig geben die Ergebnisse der Milchkontrolle schon Hinweise auf Probleme, bevor sie bei der Kuh sichtbar werden. Man kann so frühzeitig gegensteuern und eingreifen. Hinzu kommt mit den Aktionslisten ein gutes Hilfsmittel zum Herdenmanagement, da die Daten jeden Monat aktualisiert zur Verfügung stehen. Während früher alles ausschließlich auf Papier festgehalten wurde, gibt es mittlerweile die Möglichkeit, dass die Daten in einem digitalen Herdenmanagement-Programm geladen werden. Ich habe dieses Programm auch auf meinem Handy, sodass ich im Stall sofort alle wichtigen Daten zu jeweiligen Kuh verfügbar habe. Auch zur Dokumentation von Maßnahmen oder Behandlungen nutze ich das Programm. So habe ich alles an einer Stelle zur Verfügung. Und mein Mann und mein Sohn können ebenfalls auf die Daten sofort zugreifen bzw. umgekehrt, wenn einer von den beiden etwas ins Programm eingibt. Wenn wir demnächst mit dem Melkroboter melken, werden vom Automatischen Melksystem auch viele Daten schon erfasst und man könnte meine, auf die Milchkontrolle verzichten zu können. Das werden wir auf keinen Fall tun, denn die Aufbereitung der Daten und der Vergleich zu anderen Betrieben ist uns schon wichtig.
Über die Milchkontrolle werden auch Untersuchungen auf Krankheiten durchgeführt, wie IBR, Leukose, Brucellose oder ParaTB. Dazu gibt es weitere Blogartikel (teils schon fertig oder in Arbeit). Dadurch erspart man sich und den Tieren regelmäßige Blutentnahmen. Auch eine Trächtigkeitskontrolle ist mittlerweile über die Milch möglich.

Liebe Anke, das war ein sehr interessanter Artikel. Die Frage, ob Laktoseintoleranz heute häufiger ist, habe ich mir auch schon…