Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel veröffentlicht: 3 Gründe, warum ich Milchaustauscher verwende. Mittlerweile habe ich meine Meinung jedoch geändert – und füttere die ersten drei bis vier Lebenswochen ausschließlich Vollmilch. Seitdem ist die Durchfallproblematik bei unseren Kälbern nahezu verschwunden.
Früher habe ich auf Milchaustauscher (MAT) gesetzt – aus nachvollziehbaren Gründen: einfache Handhabung, konstante Qualität, geringe Hygienerisiken. Doch je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto mehr geriet meine Überzeugung ins Wanken. Heute bin ich der Meinung: Vollmilch ist für Kälber die bessere Wahl. Warum? Das erkläre ich in diesem Artikel.
1. Die Kraft der Natur – Nährstoffe in der Vollmilch
Vollmilch enthält von Natur aus eine Vielzahl an hochwertigen Inhaltsstoffen: Eiweiße, Fette, Vitamine, Mineralstoffe und vor allem natürliche Immunglobuline. Diese stärken in den ersten Lebenswochen das Immunsystem des Kalbes und unterstützen die Darmgesundheit. Studien zeigen, dass Kälber mit Vollmilch – insbesondere bei ad libitum-Fütterung – schneller wachsen und vitaler sind als mit MAT.
Ein weiterer Vorteil: Das Milcheiweiß in der Vollmilch ist zu 100 % verdaulich. Zudem liefert sie einen hohen Energiegehalt und eine hohe Energiedichte – perfekt für das wachsende Kalb.
Aber: Krankheiten können über die Milch von der Kuh auf das Kalb übertragen werden. Und auch sehr hohe Fettgehalte können zu Verdauungsproblemen führen. Deshalb verwenden wir bevorzugt Milch von Kühen mit niedrigerem Fettgehalt.
Außerdem kann es bei sehr hohen Milchleistungen an Vitaminen und Spurenelementen mangeln. Um das auszugleichen, erhalten unsere Kälber am ersten Lebenstag einen sogenannten Kälber-Booster, der alle wichtigen Vitamine, Spurenelemente und Eisen enthält – für eine optimale Versorgung von Anfang an.
2. Tägliche Zunahmen und ein guter Start ins Leben
Ein gesundes Kalb ist die Basis für eine leistungsfähige Milchkuh. Untersuchungen (z. B. Schuldt & Dinse, Hochschule Neubrandenburg, 2021) belegen, dass Kälber mit Vollmilch höhere Tageszunahmen erreichen. Ein guter Start in den ersten Lebenswochen zahlt sich aus – auch langfristig. Tiere, die früh gut versorgt sind, entwickeln sich zu gesünderen, leistungsstärkeren Kühen.
3. Hygiene ist machbar
Natürlich ist der Umgang mit Vollmilch anspruchsvoller. Keime, Bakterien und schwankende Nährstoffgehalte sind berechtigte Kritikpunkte. Doch mit guter Hygiene – Pasteurisierung, sauberen Tränkeeimern oder ggf. Ansäuerung – lässt sich das Risiko minimieren.
Pasteurisierung hat allerdings den Nachteil, dass Immunglobuline in der Milch zerstört werden können. Bei starker Durchfallproblematik kann dieser Nachteile den Vorteil der Minimierung der Krankheitserreger in der Milch überwiegen.
Aktuell säuern wir die Milch nicht an, da wir keine ad libitum-Fütterung machen. Unsere Kälber bekommen täglich zehn Liter Milch, aufgeteilt auf zwei Mahlzeiten. Diese Menge wird in der Regel sofort getrunken – Rückstände im Eimer sind also kein Thema.
4. Was spricht gegen MAT?
Milchaustauscher sind praktisch – aber eben nicht „natürlich“. Viele enthalten pflanzliche Fette und Eiweiße, die vom Kalb nur eingeschränkt verdaut werden können – insbesondere bei günstigen Produkten mit hohem Anteil pflanzlicher Proteine.
Ein weiterer Punkt: Mischfehler. Die richtige Dosierung muss regelmäßig kontrolliert werden. Außerdem kann das Anmischen temperaturabhängig schwierig sein: Unter 40 °C klumpt MAT oft, über 50 °C werden wichtige Proteine zerstört.
5. Fazit: Mein Umdenken – pro Vollmilch
Ich will nicht sagen, dass MAT grundsätzlich schlecht ist. In manchen Situationen (z. B. in sehr großen Beständen oder bei begrenzter Milchmenge) kann ein hochwertiger MAT sinnvoll sein. Die Fütterung muss zum Betrieb passen.
Aber: Wenn es möglich ist, Vollmilch zu füttern – gut organisiert, sauber verarbeitet und ergänzt, wo nötig – dann ist sie für mich – besonders in den ersten Lebenswochen – die bessere Wahl.
Was denkst du? Arbeitest du mit Vollmilch oder MAT? Ich freue mich über den Austausch in den Kommentaren!

Liebe Anke, das war ein sehr interessanter Artikel. Die Frage, ob Laktoseintoleranz heute häufiger ist, habe ich mir auch schon…