Eine Person mit Brille und dunkler Jacke lächelt, während sie in einem Stall ein Selfie mit einer schwarz-weißen Kuh macht. Die Kuh hat ein gelbes Ohrmarke und blickt in die Kamera.

Über 100 Tipps rund um Kühe – aus Tierarztpraxis und Milchviehstall

Wenn du seit mehr als 30 Jahren mit Rindern arbeitest, sammeln sich einige Dinge an, die in keinem Lehrbuch stehen. Natürlich habe ich im Studium gelernt, wie eine Kuh funktioniert, wie Krankheiten entstehen und wie man sie behandelt. Aber mindestens genauso viel habe ich später gelernt: in der Rinderklinik, in der tierärztlichen Praxis und schließlich auf unserem eigenen Milchviehbetrieb. Von Kolleginnen und Kollegen, Landwirten und Kühen – und manchmal auch dadurch, dass etwas beim ersten Versuch eben nicht funktioniert hat. Für diesen Artikel habe ich deshalb meine besten Tipps rund um Kühe gesammelt: medizinisches Wissen, Faustregeln, Beobachtungen und kleine Handgriffe aus dem Stallalltag.

Viele dieser kleinen Tricks sind für mich inzwischen so selbstverständlich, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenke. Dass man bei einer festliegenden Kuh mit der richtigen Strickführung mehr erreicht als mit Muskelkraft. Dass ein schlecht atmendes Kalb manchmal nur einen kräftigen Reiz braucht, um endlich tief Luft zu holen. Dass ich bei einer Kuh, die plötzlich anders dasteht oder frisst, genauer hinsehe. Oder dass „Gut geschleimt ist halb geboren“ zwar nicht besonders wissenschaftlich klingt, bei einer schwierigen Geburt aber ein ziemlich guter Grundsatz ist.

Für diesen Artikel habe ich deshalb einmal gesammelt, was sich in all den Jahren angesammelt hat: medizinisches Wissen, Faustregeln, Beobachtungen und kleine Handgriffe aus dem Stallalltag. Herausgekommen sind mehr als 100 Tipps rund um Kühe – von Körpersprache und Fütterung über Geburtshilfe, Kälber und Krankheiten bis zum Umgang mit 600 Kilogramm Rind.

Nicht jeder Tipp ist eine wissenschaftliche Empfehlung. Manche sind ganz bewusst Erfahrungswissen und genau als solches gekennzeichnet. Aber alle haben eines gemeinsam: Sie stammen aus der Arbeit mit echten Kühen.

Kühe verstehen: Beobachtung, Verhalten und Fütterung

Körpersprache und Körperhaltung

Viele Veränderungen sieht man einer Kuh an, lange bevor man genau weiß, was ihr fehlt. Wie ich Verhalten, Mimik und Körpersprache von Rindern lese, habe ich in meinem Artikel über Körpersprache bei Rindern ausführlicher beschrieben.

  1. Ein gekrümmter Rücken ist ein Warnsignal. Ein aufgekrümmter Rücken kann auf eine Lahmheit, Schmerzen oder allgemeines Unwohlsein hinweisen. Für mich ist er immer ein Grund, mir die Kuh genauer anzusehen.
  2. Schau auf die Hungergrube. Ist die Hungergrube deutlich eingefallen, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die Kuh zu wenig gefressen hat beziehungsweise die Pansenfüllung vermindert ist.
  3. Beobachte, wie eine Kuh sich hinlegt. Zögert eine Kuh auffällig lange, bevor sie sich in der Liegebox ablegt, oder wirkt das Hinlegen mühsam, lohnt sich ein genauerer Blick.
  4. Auch das Aufstehen verrät viel. Steht eine Kuh nur zögernd oder auffällig mühsam auf, können Schmerzen oder andere gesundheitliche Probleme dahinterstecken.
  5. Eine Kuh, die sich gar nicht hinlegt, sollte man sich genauer ansehen. Kühe verbringen viele Stunden des Tages im Liegen. Vermeidet eine Kuh das Ablegen über längere Zeit, stimmt häufig etwas nicht – zum Beispiel, weil ihr das Hinlegen Schmerzen bereitet.
  6. Die Ohren erzählen mit. Bei einer aufmerksamen Kuh sind die Ohren beweglich und reagieren auf Geräusche und ihre Umgebung. Hängende, wenig bewegte Ohren können dagegen zusammen mit anderen Veränderungen ein Hinweis darauf sein, dass es der Kuh nicht gut geht.
  7. Eine fitte Kuh interessiert sich für ihre Umgebung. Wenn ich durch den Stall gehe, erwarte ich, dass die Kühe wahrnehmen, was um sie herum passiert. Eine Kuh, die ungewöhnlich teilnahmslos wirkt und kaum reagiert, fällt deshalb auf – es sei denn, sie schläft.
  8. Auch der Schwanz gehört zum Gesamtbild. Normalerweise hängt der Schwanz locker und beweglich herab. Eine ungewöhnliche Haltung oder fehlende Beweglichkeit kann zusammen mit anderen Veränderungen auffallen.
  9. Der wichtigste Vergleich ist die Kuh mit sich selbst. Nicht jede Kuh verhält sich gleich. Deshalb ist eine Veränderung gegenüber ihrem normalen Verhalten oft besonders aufschlussreich: Eine Kuh, die sonst sofort zum Futter kommt und plötzlich hinten bleibt, verdient Aufmerksamkeit.

Fressen und Wiederkauen

  1. Achte nicht nur darauf, ob eine Kuh frisst, sondern wie sie frisst. Eine Kuh, der es nicht gut geht, mäkelt häufig im Futter herum. Sie wühlt, sortiert, sucht und nimmt immer wieder nur kleine Happen, statt mit Appetit zu fressen.
  2. Schau auch darauf, was die Kuh frisst. Bei Stoffwechselstörungen kann es vorkommen, dass eine Kuh Kraftfutter noch aufnimmt, während sie Raufutter oder die Grundration liegen lässt. „Sie frisst doch noch“ bedeutet deshalb nicht automatisch, dass alles in Ordnung ist.
  3. Wiederkauschläge kann man zählen: Die Zahl der Kauschläge pro Wiederkaubissen kann zusammen mit anderen Beobachtungen Hinweise auf die Struktur der Ration geben. Etwa 50 bis 60 Kauschläge sind bei Milchkühen keine ungewöhnliche Größenordnung – wichtiger als eine einzelne Zahl ist aber das Gesamtbild.
  4. Viele Wiederkauschläge können auf eine sehr strukturreiche Ration hinweisen. Dabei geht es nicht einfach nur um den Rohfasergehalt. Auch Partikelgröße und die physikalisch wirksame Faser der Ration beeinflussen das Wiederkauen.
  5. Wenig Wiederkauaktivität sollte ebenfalls aufmerksam machen. Eine verminderte Wiederkautätigkeit kann unter anderem mit zu wenig Struktur in der Ration, einer verminderten Futteraufnahme oder gesundheitlichen Problemen zusammenhängen.

Lahmheiten erkennen

  1. „Wie auf Eiern“ laufen ist nicht normal: Ein vorsichtiger, klammer Gang kann auf schmerzhafte Klauenveränderungen hinweisen und kommt unter anderem bei Klauenrehe vor.
  2. Schont eine Kuh einen Fuß deutlich, suche nach einer Lahmheitsursache. Eine gezielte Entlastung eines Beines ist ein deutliches Signal, sich das Tier und insbesondere die Gliedmaße genauer anzusehen.
  3. Tritt eine Kuh auf einem Bein kaum oder gar nicht auf, denke ich zuerst an die Klaue. Als praktische Faustregel suche ich bei einer hochgradigen Lahmheit mit starker Entlastung zunächst nach einer schmerzhaften Ursache im unteren Bereich der Gliedmaße, insbesondere an der Klaue. Das ersetzt natürlich keine Untersuchung.
  4. Auch die Art, wie eine Kuh das Bein nach vorne führt, gibt Hinweise. Wird ein Bein nicht normal vorgeführt oder verändert die Kuh ihren Bewegungsablauf auffällig, kann die Ursache auch weiter oben an der Gliedmaße liegen, beispielsweise im Bereich von Knie oder Hüfte.
  5. Auch die betroffene Klaue kann einen Hinweis geben: Bei typischen belastungsbedingten Klauenläsionen wie Sohlengeschwüren ist hinten häufiger die Außenklaue betroffen, vorne dagegen eher die Innenklaue. Das ist eine Faustregel, keine Garantie – aber bei der Suche nach der schmerzhaften Klaue durchaus hilfreich.

Wasser

  1. Wasser muss nicht nur vorhanden, sondern für jede Kuh erreichbar sein. Tränken sollten an mehreren gut zugänglichen Stellen im Stall vorhanden sein. So sinkt das Risiko, dass rangniedere Kühe von ranghöheren Tieren vom Wasser verdrängt werden.
  2. Saubere Tränken bedeuten nicht automatisch einwandfreies Tränkewasser. Neben der regelmäßigen Reinigung der Tränken kann es sinnvoll sein, die Wasserqualität gelegentlich untersuchen zu lassen. Bei auffälligen Befunden sollte man auch Leitungen und mögliche Biofilme als Ursache im Blick haben.
  3. Wasser ist eines der günstigsten – und am meisten unterschätzten – Futtermittel. Bei der Wasserversorgung zählen Menge, Qualität und Zugänglichkeit. Gerade bei Milchkühen lohnt es sich, ihr mindestens genauso viel Aufmerksamkeit zu schenken wie anderen Bestandteilen der Ration.

Futterumstellung

  1. Futterwechsel möglichst nicht abrupt durchführen. Besonders Kraftfutter sollte schrittweise umgestellt werden. Alte und neue Sorte werden zunächst verschnitten, dann wird über mehrere Tage der Anteil des neuen Futters erhöht. So können sich die Mikroorganismen im Pansen an das neue Futter anpassen.
  2. Bei Kühen mit hoher Milchleistung kann es sinnvoll sein, die Energieaufnahme vor dem Trockenstellen gezielt zu reduzieren. Wie stark und wie abrupt, hängt von Leistung, Körperkondition und betrieblichem Management ab.

Hitze

  1. Hitzestress betrifft auch den Pansen. Bei Hitze sinkt häufig die Futteraufnahme und das Fress- und Wiederkauverhalten verändert sich. Weniger Wiederkauen bedeutet weniger Speichel – und damit weniger Bicarbonat, das zur Pufferung der im Pansen entstehenden Säuren beiträgt. Zusammen mit weiteren Veränderungen kann dadurch das Risiko einer Pansenazidose steigen.
  2. Ventilatoren sind bei Hitze mehr als Komfort. Eine ausreichende Luftbewegung am Tier verbessert die Wärmeabgabe und kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Hitzestress bei Milchkühen zu reduzieren.
  3. Beurteile Luftbewegung nicht nach deinem eigenen Empfinden. Was uns Menschen bereits unangenehm zugig vorkommt, kann für eine Milchkuh bei hohen Temperaturen ausgesprochen hilfreich sein. Bei der Kühlung durch Ventilatoren ist eine ausreichende Luftgeschwindigkeit am Tier ausdrücklich erwünscht.

Silage und Struktur

  1. Bei Silage zählen nicht nur Energie und Eiweiß. Auch der Fasergehalt und vor allem die Strukturwirksamkeit der gesamten Ration müssen stimmen. Der Pansen braucht ausreichend strukturwirksame Faser, damit Wiederkauen und Speichelproduktion funktionieren.
  2. Sehr junges Gras ist nicht automatisch das beste Kuhfutter. Ein früher Schnitt kann hohe Energie- und Proteingehalte liefern, gleichzeitig aber weniger Faser und Struktur mitbringen. Deshalb sollte man nicht allein auf möglichst hohe Inhaltsstoffe schauen, sondern darauf, wie die Silage in die gesamte Ration passt. Eine unzureichende Strukturversorgung und geringe Futteraufnahme gehören außerdem zu den Faktoren, die das Risiko für Pansen- und Labmagenprobleme erhöhen können.

Merksatz: Die Kuh ist und bleibt ein Wiederkäuer. Egal wie ausgeklügelt eine Ration auf dem Papier aussieht: Am Ende muss sie zum Pansen passen.

Grundfutter beurteilen

  1. Grundfutter darf ruhig erst einmal durch die Nase geprüft werden. Gute Silage sollte angenehm und aromatisch riechen. Muffiger, fauliger oder schimmeliger Geruch ist ein Warnsignal und gehört genauer abgeklärt.
  2. Schau dir die Struktur des Futters an. Ich nehme Grundfutter auch in die Hand und schaue mir an, wie lang und grob die Bestandteile sind. Denn nicht nur die analysierten Inhaltsstoffe, sondern auch die Struktur des Futters beeinflusst, wie die Kuh frisst und wiederkaut.
  3. Bei Maissilage gehören die Körner mit auf den Prüfstand. Die Maiskörner sollten beim Häckseln ausreichend angeschlagen beziehungsweise aufgebrochen worden sein. Ganze Körner können von der Kuh nur unzureichend genutzt werden und tauchen schlimmstenfalls weitgehend unverdaut im Kot wieder auf.
  4. Der Kot verrät auch etwas über die Futterverwertung. Findet man auffällig viele unverdaute Maiskörner oder andere deutlich erkennbare Futterbestandteile im Kot, lohnt es sich, Futteraufbereitung, Rationsgestaltung und Verdauung genauer anzusehen.
  5. Schau bei Fütterungsproblemen nicht nur auf den Rationsplan. Wenn eine berechnete Ration eigentlich passen müsste, die Kühe aber etwas anderes zeigen, beginnt die Fehlersuche erst: Wurde genauso gemischt wie berechnet? Wurde gleichmäßig vorgelegt? Selektieren die Kühe? Wie sieht das tatsächlich gefressene Futter aus? Was kommt hinten wieder heraus?

Rund um die Geburt: Geburtshilfe und Kälber

  1. Wenn die Geburt erkennbar begonnen hat, aber über längere Zeit keinen Fortschritt macht, kontrollieren: Die Zwei-Stunden-Regel habe ich aus meiner Zeit in der Rinderklinik mitgenommen. Sie ist eine Faustregel – Warnzeichen oder fehlender Geburtsfortschritt können auch früher eine Untersuchung notwendig machen.
  2. Bei Warnzeichen nicht abwarten: Eine blaue, stark geschwollene Zunge oder ein deutlich angeschwollener Kopf des Kalbes sind Gründe, sofort genauer hinzusehen und gegebenenfalls einzugreifen.
  3. Faustregel bei Schwarzbunten: Passt der Kopf durchs Becken, passt häufig auch der Rest des Kalbes. Bei stark bemuskelten Fleischrassen gilt diese Faustregel nicht unbedingt – da kann die Hinterhand zum Problem werden.
  4. Die Stellung der Klauen verrät viel: Zeigen die sichtbaren Klauen nicht so, wie man es bei einer normalen Vorderendlage erwartet, sollte man kontrollieren, in welcher Lage, Stellung und Haltung sich das Kalb befindet.
  5. Bei Rückwärtsgeburten muss es schneller gehen: Die Nabelschnur wird während des Auszugs früher komprimiert oder kann reißen, während der Kopf noch im Geburtskanal steckt. Beginnt das Kalb bereits zu atmen, besteht die Gefahr, dass es Fruchtwasser einatmet.
  6. Liegen die Vorderklauen sehr nah an der Schnauze, können die Ellenbogen noch vor dem Becken hängen: Dann kann es helfen, erst ein Vorderbein und anschließend das andere weiter vorzuziehen, damit die Ellenbogen nacheinander über den Beckeneingang gelangen. Das gilt natürlich nur bei korrekter Vorderendlage. Vor jeder Zughilfe muss außerdem sicher sein, dass Kopf und beide Vorderbeine tatsächlich zum selben Kalb gehören – besonders bei Zwillingsgeburten kann man sich da leicht vertun.
  7. Enge Geburtswege brauchen Geduld: Besonders bei Erstkalbinnen können Scheide und Vulva noch sehr eng sein. Vorsichtiges manuelles Dehnen kann die Geburt erleichtern.
  8. „Gut geschleimt ist halb geboren.“ Mit Gleitmittel sollte man bei der Geburtshilfe nicht geizen – besonders bei länger dauernden Geburten, wenn die Geburtswege bereits trocken sind.

Direkt nach der Geburt

  1. Atmet ein neugeborenes Kalb schlecht, zuerst die Atemwege freimachen: Sichtbaren Schleim und Fruchthüllen aus Maul und Nase entfernen und das Kalb möglichst in Brustlage bringen.
  2. Kräftiges Rubbeln und Massieren regt die Atmung an: Besonders Brustkorb und Nacken kräftig stimulieren – gleichzeitig wird das Kalb dabei trockengerieben.
  3. Ein kurzer Kältereiz kann einen tiefen Atemzug auslösen: Ich gebe dafür kaltes Wasser an Kopf oder Nacken. Entscheidend ist der kurze Reiz – anschließend sollte das Kalb nicht nass und kalt liegen bleiben.
  4. Auch die Nase lässt sich zur Atmung stimulieren: Ein sauberer Strohhalm an der Nasenscheidewand kann einen kräftigen Atemreflex auslösen.
  5. Ohne Beatmungsgerät nutze ich manchmal die Bewegung eines Vorderbeins: Durch rhythmisches Vorziehen und Zurückführen versuche ich, den Brustkorb abwechselnd zu erweitern und zu komprimieren. Damit habe ich praktisch gute Erfahrungen gemacht; als wirksamer Ersatz für eine positive Druckbeatmung ist diese Methode allerdings nicht wissenschaftlich belegt.
  6. Wenn nötig, kann man ein Kalb auch über die Nase beatmen: Vorsichtig Luft in die Nasenlöcher geben, sodass sich der Brustkorb hebt. Dabei nicht mit hohem Druck arbeiten.

Biestmilch & Kälberversorgung

  1. Biestmilch so früh wie möglich: Das Kalb sollte möglichst direkt nach der Geburt Biestmilch bekommen. Meine Erfahrung ist, dass viele Kälber unmittelbar nach der Geburt besonders gut und gierig trinken. Kommen sie erst einmal in eine schläfrige Phase, ist es oft deutlich schwieriger, sie zum Saugen zu motivieren. Zusätzlich nimmt die Fähigkeit des Darms, Antikörper aus der Biestmilch aufzunehmen, nach der Geburt zunehmend ab.
  2. Nach einer Schwergeburt nicht zu lange darauf warten, dass das Kalb selbst ausreichend trinkt: Ist das Kalb erschöpft, muss man rechtzeitig dafür sorgen, dass genügend Kolostrum aufgenommen wird. Bei Bedarf kann fachgerechtes Drenchen notwendig sein.
  3. Faustregel für die erste Biestmilchmenge: etwa 10 Prozent des Körpergewichts. Was ein Kalb tatsächlich freiwillig aufnimmt, ist unterschiedlich – entscheidend ist, möglichst früh eine ausreichende Menge hochwertigen Kolostrums ins Kalb zu bekommen. In der Praxis versuchen wir, mindestens zwei Liter, wenn möglich eher drei bis dreieinhalb Liter, möglichst früh ins Kalb zu bekommen.

Nabel

  1. Den frischen Nabel möglichst wenig anfassen: Unnötige Manipulation kann zusätzlich Keime an den Nabel bringen. Wenn man ihn anfasst, dann mit sauberen Händen.
  2. Nabelhygiene beginnt nicht erst beim Desinfektionsmittel: Besonders bei Problemen mit Nabelentzündungen sollte das gesamte Hygienemanagement rund um Geburt, Abkalbebereich und Erstversorgung überprüft werden.

Kälberdurchfall

  1. Bei Durchfall die Milch nicht einfach absetzen: Ein Kalb mit Durchfall braucht weiterhin Energie und Nährstoffe. Zusätzlich können Elektrolyte nötig sein, um Flüssigkeits- und Elektrolytverluste auszugleichen.
  2. Kälbern früh beibringen, aus einer Schale zu trinken: Kennt ein Kalb die offene Wasseraufnahme bereits, kann das später bei Durchfall praktisch sein, wenn Elektrolytlösung angeboten werden soll.
  3. Wasser zur freien Aufnahme gehört bei Kälbern in eine offene Schale oder Tränke: Beim Saugen am Nuckel wird der Schlundrinnenreflex ausgelöst und die Flüssigkeit am Pansen vorbei in Richtung Labmagen geleitet – genau das ist bei Milch erwünscht. Frei aufgenommenes Wasser soll dagegen in den Pansen gelangen und gehört deshalb nicht in den Nuckeleimer.
  4. Elektrolytlösung darf dagegen ruhig über den Nuckel gegeben werden: Durch den Schlundrinnenreflex gelangt sie am Pansen vorbei in den Labmagen und anschließend in den Dünndarm, wo Wasser und Elektrolyte schnell aufgenommen werden können. Bei einem Durchfallkalb ist das durchaus erwünscht. Entscheidend ist, dass das Kalb ausreichend Flüssigkeit und Elektrolyte aufnimmt – zusätzlich zur Milch, nicht anstelle der Milchfütterung.
  5. Unser Hausmittel bei schlappen Kälbern ist ein rohes Ei: Wir geben ihnen manchmal ein rohes Ei ins Maul und zerdrücken es dort. Das ist eine Erfahrung aus unserem Stall – keine wissenschaftlich belegte Therapie und kein Ersatz für die Behandlung eines kranken Kalbes.
  6. Der Zeitpunkt des Durchfalls liefert erste Hinweise auf mögliche Erreger: Das Alter des Kalbes beim Auftreten der Symptome kann die Differentialdiagnose eingrenzen, beweist aber nicht, welcher Erreger tatsächlich dahintersteckt.

Wenn die Kuh krank wird: Gesundheit, Euter und Stoffwechsel

Zu den häufigsten Erkrankungen rund um die Kalbung habe ich bereits ausführliche Artikel geschrieben. Eine Übersicht findest du bei meinen typischen Erkrankungen der Milchkuh.

Milchfieber

  1. Milchfieber betrifft vor allem ältere Kühe. Das Risiko steigt mit der Zahl der Kalbungen deutlich an; bei Erstkalbinnen ist klinisches Milchfieber selten.
  2. Kalte Ohren sind ein Hinweis, aber unspezifisch. Sie passen zu Milchfieber, kommen aber auch bei anderen schwer kranken Kühen vor.
  3. Typische Anzeichen sind Muskelzittern, Schwäche, unsicherer Stand und Trägheit. Diese Symptome können auftreten, bevor die Kuh tatsächlich festliegt.
  4. Beim ausgeprägten Milchfieber kommt die Kuh manchmal hinten nur halb hoch und schafft es nicht weiter. Dieses Bild sehe ich bei ausgeprägter Schwäche durch Milchfieber immer wieder.
  5. Kleiner Praxistrick beim Aufstehen: Manchmal hilft es, eine noch aufstehfähige Kuh an der Schwanzwurzel vorsichtig etwas zu unterstützen. Dabei nicht am Schwanz ziehen oder Gewalt anwenden.
  6. Festliegen nach der Kalbung ist ein Symptom, keine Diagnose. Hypokalzämie ist eine wichtige Ursache – aber nicht jede festliegende Kuh braucht automatisch Calcium.
  7. Milchfieber kann schon während der Geburt auftreten. Ein Calciummangel kann die Muskelkontraktionen beeinträchtigen und zu einer verminderten Wehentätigkeit beitragen.
  8. Eine Kuh ist eindeutig in der Geburt, arbeitet aber kaum? Denk auch an Milchfieber. Neben möglichen Geburtshindernissen sollte dann auch eine Hypokalzämie als Ursache in Betracht gezogen werden.
  9. Bei einer festliegenden Kuh nach der Geburt gehört Fiebermessen dazu. Hinter dem Festliegen kann beispielsweise auch eine schwere Colimastitis stecken. Dann wäre eine alleinige Behandlung mit Calcium nicht die richtige Therapie.

Nachgeburtsverhaltung

  1. Bei einem verzögerten Abgang der Nachgeburt auch an Calciummangel denken. Eine Hypokalzämie gehört zu den Risikofaktoren für Nachgeburtsverhaltung.
  2. Von einer Nachgeburtsverhaltung spricht man in der Regel, wenn die Nachgeburt 24 Stunden nach der Kalbung noch nicht abgegangen ist.
  3. An einer festsitzenden Nachgeburt nicht kräftig ziehen oder reißen: Wenn sie sich leicht lösen beziehungsweise vorsichtig abmassieren lässt, kann man sie abnehmen. Sitzt sie fest, lasse ich sie lieber in Ruhe. Die heutige Fachliteratur geht noch einen Schritt weiter und empfiehlt, auf eine routinemäßige manuelle Ablösung ganz zu verzichten, weil dadurch die Gebärmutterschleimhaut verletzt und das Infektionsrisiko erhöht werden kann.
  4. Eine Nachgeburtsverhaltung allein ist noch kein Grund für eine routinemäßige Antibiotikabehandlung: Zeigt die Kuh Fieber, ein deutlich gestörtes Allgemeinbefinden oder andere Hinweise auf eine Metritis, muss sie untersucht und gegebenenfalls systemisch antibiotisch behandelt werden. In meiner eigenen Praxis gebe ich nach einem Versuch, eine Nachgeburt manuell zu lösen, häufig einmalig ein lokales Antibiotikum in die Gebärmutter. Das ist eine Vorgehensweise, die ich aus meiner praktischen Arbeit kenne und weiterhin nutze. Die aktuelle Studienlage zeigt allerdings keinen klaren Vorteil einer routinemäßigen intrauterinen Antibiotikabehandlung bei einer ansonsten nicht systemisch erkrankten Kuh.
  5. Ich setze bei Nachgeburtsverhaltung zusätzlich Metrovetsan ein. Damit habe ich persönlich gute Erfahrungen gemacht. Da es sich um ein homöopathisches Mittel handelt, lässt sich daraus jedoch keine wissenschaftlich belegte Wirkung auf die Gebärmutterrückbildung oder den Entzündungsverlauf ableiten.

Mastitis

  1. Nicht jede Mastitis braucht dieselbe Therapie. Bei ungestörtem Allgemeinbefinden richtet sich die Behandlung vor allem nach Schweregrad, Erreger und Befund.
  2. Sobald das Allgemeinbefinden deutlich gestört ist, muss die ganze Kuh behandelt werden – nicht nur das Euter. Fieber, Mattigkeit, fehlende Futteraufnahme oder Festliegen sind Gründe für eine tierärztliche Untersuchung und eine entsprechend intensive Therapie.
  3. Bei einer schweren Coli-Mastitis reicht der Blick aufs Euter nicht. Die systemische Erkrankung der Kuh kann im Vordergrund stehen; Flüssigkeitstherapie, Entzündungshemmung und weitere unterstützende Maßnahmen können dann besonders wichtig sein. Ob und wie Antibiotika eingesetzt werden, muss im Einzelfall entschieden werden.
  4. Geht es einer Kuh mit schwerer Coli-Mastitis nach der Antibiotikagabe nicht sofort besser, bedeutet das nicht automatisch, dass das Antibiotikum nicht wirkt: Endotoxine der Colibakterien können eine starke Entzündungsreaktion im ganzen Körper auslösen, deren Folgen noch anhalten, auch wenn die Bakterien bereits bekämpft werden. Deshalb sind bei schwer erkrankten Kühen neben einer gegebenenfalls notwendigen Antibiose vor allem die Behandlung des Allgemeinzustands und eine engmaschige Kontrolle wichtig.
  5. Auch die Haut über dem Euter kann einen Hinweis geben. Bei einem stark entzündeten und geschwollenen Viertel ist das Gewebe gespannt und die Haut lässt sich häufig schlechter in einer Falte anheben.
  6. Der Daumendruck hilft beim Erkennen eines Euterödems. Bleibt nach einigen Sekunden Druck eine Delle in der Schwellung zurück, spricht das für ein Ödem – also eine Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe – und nicht automatisch für eine Mastitis.

Melkroboter-Alltag

  1. Mastitisbehandlung ist am Roboter teilweise aufwändiger als früher im Melkstand. Man sieht die Kuh nicht mehr automatisch zweimal täglich. Über „Fangen“ meldet unser Roboter, wenn die betreffende Kuh darin steht, sodass wir sie gezielt behandeln können.
  2. Was früher im Melkstand nebenbei ging, muss am Roboter teilweise extra erledigt werden. Zusätzliches Einsprühen oder Behandeln des Euters findet dann beispielsweise im Fressgitter oder Stall statt.
  3. Behandeln und Trockenstellen direkt am Roboter funktioniert dagegen gut. Bei unserem DeLaval AMS V300 kommt man sehr gut und bequem ans Euter heran.

Zellzahl und Eutergesundheit

  1. Bei einer erhöhten Zellzahl zuerst an die Eutergesundheit denken. Andere Faktoren können die Zellzahl mit beeinflussen, entscheidend sind aber vor allem entzündliche beziehungsweise infektiöse Prozesse im Euter.
  2. Kenne die Mastitiserreger in deinem eigenen Bestand: Ich lasse drei- bis viermal im Jahr Milchproben von Kühen mit Mastitis bakteriologisch untersuchen. Regelmäßige Untersuchungen zeigen nicht nur, welche Erreger aktuell eine Rolle spielen, sondern können über die Zeit auch Veränderungen im Bestand sichtbar machen – wichtige Informationen für das eigene Mastitismanagement.
  3. Ein Antibiogramm kann bei der gezielten Antibiotikawahl helfen. Es zeigt, gegenüber welchen Wirkstoffen ein isolierter bakterieller Erreger empfindlich oder resistent ist. Ob ein Antibiogramm im konkreten Fall sinnvoll und aussagekräftig ist, hängt auch vom Erreger ab.

Trockenstellen

  1. Beim Trockenstellen kommt es auf die Reihenfolge an. Beim Reinigen beziehungsweise Desinfizieren mit den weiter entfernten Zitzen beginnen und beim Verabreichen der Eutertuben die Reihenfolge umkehren – so vermeidet man, bereits vorbereitete Zitzen wieder mit Hand oder Arm zu kontaminieren.
  2. Bei Kühen mit hoher Milchleistung versuchen wir, die Leistung vor dem Trockenstellen zu senken. Dafür separieren wir sie gegebenenfalls und verändern die Fütterung.
  3. Nach dem Trockenstellen die Kuh weiter beobachten. Tropfende Milch oder auffällige Veränderungen am Euter sind Gründe, genauer hinzusehen. Routinemäßiges erneutes Ausmelken gehört nicht zum normalen Trockenstellmanagement.

Rückstände in der Milch

  1. Wartezeiten gelten nicht nur für Antibiotika. Auch andere Tierarzneimittel können eine vorgeschriebene Wartezeit für Milch haben. Ein negativer Hemmstofftest ersetzt deshalb niemals die Einhaltung der für das eingesetzte Medikament vorgeschriebenen Wartezeit.

Was vom Futter in der Milch ankommt

  1. Milch ist keine Eins-zu-eins-Kopie des Futters. Gerade im Pansen werden Futterbestandteile von Mikroorganismen zerlegt und umgebaut. Was die Kuh frisst, landet deshalb nicht einfach unverändert in der Milch.
  2. Weidegras kann die Zusammensetzung des Milchfetts verändern. Frisches Gras kann das Fettsäuremuster der Milch messbar beeinflussen. Das macht Weidemilch nicht automatisch „gesünder“ oder „besser“ – aber ihre Zusammensetzung kann sich von Milch aus anderen Fütterungssystemen unterscheiden.

600 Kilogramm sicher bewegen: meine besten Handling-Hacks

  1. Zum Fixieren kann Ablenkung manchmal besser funktionieren als der Nasengriff: Den Halfterstrick durchs Maul führen – die Kuh ist dann oft damit beschäftigt, ihn wieder herauszubefördern, sodass leichtere Manipulationen möglich sind. Trotzdem immer mit Abwehrreaktionen rechnen.
  2. Einen ähnlichen Ablenkungseffekt kann Klopfen auf die Stirn haben: Manche Kühe beschäftigen sich so mit diesem Reiz, dass kleinere Manipulationen an anderer Stelle leichter möglich sind.
  3. Beim Treiben entscheidet deine eigene Position mit darüber, wohin die Kuh läuft. Kühe beobachten den Menschen und reagieren auf seine Position und Bewegung. Wer das versteht, kann ein Tier häufig lenken, ohne es anzufassen.
  4. Vorsicht bei einer Kuh, die den Kopf senkt und sich anspannt: Das muss keine Bösartigkeit sein – aber selbst spielerisches Verhalten einer 600-Kilo-Kuh kann für einen Menschen gefährlich werden.
  5. Kälber lassen sich oft besser von hinten schieben als vorne am Strick ziehen: Mehr Zug am Halfter führt nicht automatisch zu mehr Vorwärtsbewegung.
  6. Beim Treiben mit Druck und Entspannung arbeiten: Beim Low Stress Stockmanship wird durch Position und Bewegung Druck aufgebaut. Reagiert die Kuh in die gewünschte Richtung, wird der Druck wieder weggenommen. So lernt das Tier, welche Reaktion gewünscht ist.
  7. Nutze Fluchtzone und Balancepunkt statt Muskelkraft: Der sogenannte „Point of Balance“ liegt ungefähr auf Schulterhöhe. Je nachdem, wo und in welche Richtung man sich relativ dazu bewegt, kann man Vorwärtsbewegung, Richtungswechsel oder Anhalten beeinflussen.
  8. Will eine Kuh partout nicht irgendwohin, kann es helfen, ihr vorübergehend die Sicht zu nehmen: Diesen Trick habe ich aus meiner Zeit in der Rinderklinik. Bei einer am Strick geführten und kontrollierten Kuh kann eine Blende, ein Tuch oder notfalls ein T-Shirt über den Augen helfen, sie ruhig über eine Stelle oder in eine Richtung zu führen, die sie sonst verweigert. Bei frei laufenden Tieren würde ich das nicht machen – ohne Sicht muss die Kuh jederzeit sicher geführt und kontrolliert werden können.
  9. Nutze beim Treiben den natürlichen Bewegungsdrang der Kuh: Kühe lassen sich oft leichter um eine Kurve führen, als geradewegs in eine enge oder unbekannte Einrichtung – zum Beispiel einen Klauenstand. Gut angelegte Treibgänge nutzen das aus und verhindern gleichzeitig, dass die Kuh sich umdrehen und zurücklaufen kann.
  10. Vermeide Sackgassen aus Sicht der Kuh: Wenn eine Kuh den Eindruck hat, direkt in eine enge Begrenzung laufen zu müssen, stockt sie häufig. Ein Treibweg, der zunächst weiterzuführen scheint oder die Kuh über eine Kurve zum Ziel bringt, kann das Eintreiben deutlich erleichtern.
  11. Nutze den Herdentrieb: Will ein einzelnes Rind partout nicht durch eine Tür oder einen Treibgang, kann es helfen, einige Tiere zurückzuholen, die den Weg bereits kennen. Oft schließt sich das zögernde Tier ihnen dann einfach an.
  12. Willst du eine Kuh rückwärts bewegen, nutze deine Position vor dem Balancepunkt. Oft reicht kontrollierter Druck durch Position und Bewegung, statt körperlich gegen die Kuh zu arbeiten.
  13. Zum seitlichen Versetzen einer Kuh nutze ich Körpergewicht statt Armkraft: Ich stelle mich mit dem Rücken dicht an die Kuh, greife mit beiden Händen hinter mich in ihre Kniefalte und hebe diese etwas an. Gleichzeitig drücke ich die Kuh mit meinem Rücken beziehungsweise Körpergewicht in die gewünschte Richtung. So lässt sich die Hinterhand oft erstaunlich leicht ein Stück zur Seite versetzen, ohne mit den Armen gegen 600 Kilogramm Kuh anzukämpfen.
  14. Festliegende Kühe regelmäßig umlagern: Bleibt eine schwere Kuh lange auf derselben Seite liegen, werden Muskulatur und Nerven der unten liegenden Gliedmaßen stark belastet. Regelmäßiger Seitenwechsel gehört deshalb zur Pflege einer festliegenden Kuh.
  15. Eine festliegende Kuh lässt sich mit einem Strick erstaunlich gut umlagern: Diesen Trick habe ich während meiner Zeit in Bayern gelernt. Ein ausreichend langer Strick wird unter der Kuh hindurchgeführt und an der Fessel des oben liegenden Hinterbeins befestigt. Von dort läuft der Strick unter dem Körper hindurch und auf der gegenüberliegenden Seite über die Hüfte wieder zurück. Zieht man dort kontrolliert am freien Ende, wird das fixierte Hinterbein unter die Kuh in Richtung Körpermitte gezogen. Gleichzeitig rollt der schwere Körper der Kuh über das Bein und den darunterliegenden Strick hinweg auf die andere Seite. So lässt sich selbst eine ausgewachsene Kuh mit relativ wenig Kraft umlagern. Wichtig sind ausreichend Platz, ein sicher lösbarer Knoten und genügend Abstand zu den Beinen, weil die Kuh beim Drehen plötzlich kräftige Bewegungen machen kann.
  16. Fließt bei einer korrekt liegenden intravenösen Nadel kein Blut, muss sie nicht automatisch danebenliegen: Manchmal liegt die angeschliffene Öffnung der Kanüle direkt an der Gefäßwand. Ein vorsichtiges Drehen oder minimales Verändern der Position kann den Blutfluss wieder ermöglichen.
  17. Ein kleines Kalb lässt sich über den Kopf kontrollieren: Kopf und Schnauze sicher zu kontrollieren hilft häufig mehr, als mit dem ganzen Kalb zu kämpfen. Dabei vorsichtig mit Ohren und Hals umgehen und nicht gewaltsam verdrehen.
  18. Mach eine Verladerampe möglichst wenig fremd: Etwas bekanntes Stroh oder Futter auf der Rampe kann den ungewohnten Untergrund vertrauter machen und gleichzeitig die Neugier der Tiere wecken.
  19. Beim Arbeiten am Hinterbein kann die Schwanzhaltung helfen, Tritte zu erschweren: Eine kontrollierte Schwanzfixierung kann die Beweglichkeit der Hinterhand beeinflussen. Dabei niemals mit Gewalt überstrecken – die Technik muss fachgerecht angewendet werden.
  20. Eine aufgeregte Kuh wird durch einen aufgeregten Menschen nicht ruhiger: Ruhig sprechen, Bewegungen kontrollieren und nicht schreien. Wenn sich die Situation hochschaukelt, lieber Druck herausnehmen, statt immer mehr davon zu erzeugen.
  21. Niemals mit spitzen Gegenständen treiben: Kugelschreiber, Schraubenzieher oder ähnliche Gegenstände haben beim Treiben einer Kuh nichts verloren. Schmerz kann heftige Abwehrreaktionen provozieren – und dann steht der Mensch ziemlich schnell am falschen Ende von 600 Kilogramm Kuh.
  22. Wenn du unmittelbar im Trittbereich arbeiten musst, ist dicht am Tier oft sicherer als eine halbe Armlänge Abstand. So bemerkst du Bewegungen früher und ein ausschlagendes Bein kann weniger Schwung entwickeln. Noch sicherer ist natürlich eine Position außerhalb des Trittbereichs.Ich bin jetzt bereit für die Einleitung.
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Dr. Anke Cras

Über mich: Ich bin Tierärztin und Landwirtin aus Leidenschaft. Mit meiner Familie lebe ich auf einem Milchviehbetrieb in der Grafschaft Bentheim. Seit über 20 Jahren arbeite ich täglich mit Kühen, Kälbern, Grünland und allem, was zur modernen Tierhaltung dazugehört. 

In meinem Blog teile ich Wissen aus der landwirtschaftlichen und tierärztlichen Praxis – verständlich erklärt, mit einem Blick über den Tellerrand. Mir ist es wichtig, dass nicht nur Fachleute, sondern auch Verbraucher:innen und Interessierte nachvollziehen können, wie Landwirtschaft bei uns betrieben wird.

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Eine Person, die eine Brille und eine blaue Jacke trägt, steht in einem Stall und hält den Kopf einer schwarz-weißen Kuh an ihre Brust. Im Hintergrund sind Heu und Metallboxen zu sehen.

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Hallo, ich bin Anke und lebe mit meiner Familie auf einem Milchviehbetrieb in der Grafschaft Bentheim.
Ich bin Tierärztin und kümmere mich um die Gesundheit unserer Tiere – vom Kalb bis zur Kuh.
Auf meinem Blog schreibe ich über Landwirtschaft, Tierwohl, Rinderwissen, aktuelle Themen und Persönliches aus dem Hofalltag.

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