In unserem Milchviehbetrieb erzeugen wir Milch. Die Rohmilch landet bei uns im Tank. Sie wird alle zwei Tage von einem Tankwagen abgeholt und zu einer Molkerei gebracht. Hier wird die Rohmilch zur Trinkmilch. Was genau ist der Unterschied? Was passiert mit der Rohmilch, damit sie zur Trinkmilch wird? Der Sache bin ich in diesem Artikel auf den Grund gegangen.
Was ist Rohmilch?
Als Rohmilch bezeichnet man die Milch, die direkt von der Kuh ermolken wird. In einem Milchviehbetrieb wird die Milch direkt nach der Gewinnung auf mindestens 4 °C heruntergekühlt. Das ist aber alles, weiter wird die Milch nicht verändert. Die Rohmilch enthält also alle Bestandteile, die in der Milch natürlicherweise vorkommen. Das sind Enzyme, Nährstoffe, aber auch Bakterien. In unserer Tankmilch, also der gesammelten Milch aller Kühe von zwei Tagen, liegt der natürliche Fettgehalt der Rohmilch unserer Kühe in der Regel zwischen 4,1 % und 4,5 %. Der Eiweißgehalt schwankt um die 3,5 %. Diese Inhaltsstoffe sind sehr von der Fütterung und dem Laktationsstadium abhängig. In der Tankmilch ist demnach der Durchschnitt der gemolkenen Kühe enthalten. Aufgrund des hohen Fettgehaltes schmeckt Rohmilch anders als Trinkmilch. Wenn man die Milch etwas stehen lässt, entmischt sie sich. Oben im Behälter sammelt sich die sehr fettreiche Milch bzw. der Rahm.
Ein Problem können die eventuell enthaltenen Bakterien darstellen. Deswegen wird vor dem Verzehr der Rohmilch empfohlen, diese zu erhitzen. Durch die Hitze werden die meisten Bakterien abgetötet. Wir kochen die Milch in der Regel nicht ab und hatten bisher noch keine gesundheitlichen Probleme. Allerdings bleibt ein kleines Risiko. Während meiner Schwangerschaften wollte ich dieses Risiko nicht eingehen. Das muss aber jeder für sich entscheiden. Aber durch das Erhitzen gehen natürlich nicht nur die Bakterien kaputt, sondern auch andere Eiweiße. Dieses macht sich durch die Haut auf der Milch bemerkbar. Wir wissen natürlich aber auch genau, was bei uns im Stall los ist und Milch von kranken Kühen kommt nicht in den Tank.
Was ist Trinkmilch?
Trinkmilch ist Rohmilch, die in der Molkerei verschiedenen Verfahren unterzogen worden ist, um sie für den Verzehr vorzubereiten. Die Milch wird dabei in der Regel erst erwärmt und dann zentrifugiert. Dadurch wird die Milch zum einen gereinigt, zum anderen trennen sich durch das Schleudern die Magermilch und der Rahm. Diesen Vorgang nennt man Separation. Die Magermilch ist nahezu fettfrei. Um jetzt die verschiedenen Fettgehaltsstufen der Milch herzustellen, werden Magermilch und Rahm in bestimmten Verhältnissen wieder zusammengeführt. So erhält man dann die Vollmilch mit 3,5 % Fett oder die fettarme Milch mit 1,5 % Fett. Es gibt auch fettfreie Milch mit einem Fettgehalt unter 0,1 %.
Danach wird die Milch homogenisiert. Dabei werden die Fettkügelchen in der Milch zerkleinert. Milch ist also eine Emulsion, also eine Mischung aus zwei nicht miteinander mischbaren Flüssigkeiten, bei der eine Flüssigkeit in Form von kleinen Tröpfchen in der anderen verteilt ist.
Wusstet ihr, dass Milch eigentlich durchsichtig ist und die weiße Farbe durch die Fettkügelchen in der Milch zustande kommt, weil in ihnen das Licht gestreut und absorbiert wird.
Durch die Zerkleinerung der Fettkügelchen in der Milch wird verhindert, dass sich die Milch nach längerem Stehen entmischt. Das passiert ja wie oben beschrieben mit der Rohmilch. Dafür wird die Milch unter hohem Druck durch besonders feine Düsen gepresst. Im Anschluss mischen sich die Fetttröpfchen besser mit der hauptsächlich aus Wasser bestehenden Milch und schwimmen nicht mehr an der Oberfläche.
Im letzten Schritt wird die Milch pasteurisiert. Dadurch werden einerseits Keime in der Milch abgetötet und andererseits wird die Milch dadurch haltbarer gemacht. Die Milch wird beim Pasteurisieren für 1-3 Sekunden auf etwa 125 °C erhitzt. Dies geschieht durch Dampfinjektion. Anschließend wird die Milch schlagartig abgekühlt. Bei der H-Milch spricht man von ultrahocherhitzter Milch. Bei diesem Verfahren wird die Milch wenige Sekunden auf 135 °C erhitzt. Dadurch ist sie noch länger haltbar.
Was ist der Unterschied zwischen Rohmilch und Trinkmilch?
Der Unterschied zwischen Rohmilch und Trinkmilch liegt also in der Verarbeitung. Rohmilch ein Naturprodukt ist, das lediglich heruntergekühlt wird, ansonsten aber nicht verändert wird. Trinkmilch ist ein verarbeitetes Produkt. Durch die Verarbeitung werden die Nachteile der Rohmilch aufgehoben, wie Entmischung oder eventuelle Keimbelastung. Die Inhaltsstoffe sollen dabei weitestgehend unverändert erhalten bleiben.
Fazit
Mir schmeckt die Rohmilch am besten. Ich bin aber auch direkt an der Quelle und kann sie direkt aus dem Tank genießen. Das Risiko einer Erkrankung durch Krankheitserreger in der Milch nehme ich dabei gerne in Kauf. Wie gesagt, trinke ich schon seit mehreren Jahrzehnten Rohmilch und hatte noch keine Probleme. Dieses Risiko kann man durch Abkochen der Milch aber sehr minimieren. Mittlerweile gibt es bei uns in der Gegend sogenannte Milchtankstellen, in denen man direkt beim Landwirt Rohmilch kaufen kann. Eine tolle Gelegenheit, mal Rohmilch zu probieren. Aus unserer Rohmilch habe ich schon Quark gemacht und experimentiere gerade mit der Käseherstellung.
Auf der sicheren Seite ist man mit der behandelten Milch aus dem Supermarkt oder wo auch immer man seine Milch kauft. Diese Milch ist immer gleich und birgt auch sonst keine Risiken. Gerade schwangere Frauen, Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem sollten mit dem Verzehr von nicht erhitzter Rohmilch vorsichtig sein. Ein weiterer Vorteil der Trinkmilch ist die fehlende Entmischung der Milch, wenn sie länger im Kühlschrank steht. Zudem ist sie leichter verfügbar und länger haltbar.
Was trinkst du für Milch? Hast du schon einmal Rohmilch probiert? Schreibe es gerne in die Kommentare.


Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
Früher habe ich an liebsten die Rohmilch direkt kalt aus dem Tank getrunken. Da wir unseren Hof schon vor über zehn Jahren verpachtet haben, musste ich auf H-Milch umsteigen.
Anfangs fand ich diese durch einen „Kochgeschmack“ sehr gewöhnungsbedürftig. Mittlerweile trinke ich sie aber täglich.
Ich bin eher Team Rohmilch ?
Wunderbar, vielen Dank für deinen Artikel. Ja, ich trinke auch Milch, wenn auch manchmal mit schlechtem Gewissen (den Kälbern und Mutterkühen gegenüber wegen deren Separation), aber mir schmeckt auch keine Alternative.
Um mir den Zucker im Kaffee zu sparen, greife ich auf laktosefreie Bio-Heumilch zurück, die ist tatsächlich süßer, obwohl der Milchzucker fehlt. Erklär mir das einer …
Ich find deinen Artikel sehr hilfreich, wäre eigentlich Pflichtlektüre in der Schule, oder? Liebe Grüße Ulrike
Liebe Ulrike!
Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich, dass dir der Artikel gefallen hat.
Liebe Grüße Anke
Hach, ich liebe deine Artikel. Ich bin zwar keine Milchtrinkerin, schon als Kind mochte ich keine Milch. Ich weiß aber bis heute nicht, ob das wirklich an der Milch liegt oder ob es früher nicht an der Verpackung lag. Die Schulmilch im Osten gab es in kleinen Plastikschläuchen und die stanken so außerordentlich, dass mir täglich der Milchdurst verging. Heute trinke ich Milch, wenn ich mir mal einen Kakao koche. Ich finde es spannend, dass du schreibst, dass in der H-Milch alle Bestandteile enthalten sind, die es auch in der Rohmilch gibt – bis auf die Bakterien. Bisher dachte ich, die H-Milch ist etwas für die Haltbarkeit chemisch aufbereitetes. Habe ich also wieder etwas gelernt bei dir.
Liebe Sylvia! Danke für deinen Kommentar. Ich freue mich, wenn ich dir die Lebensmittel, die wir erzeugen, näher bringen kann.