Die Geschlechtsreife des weiblichen Rindes beginnt in der Regel um den 7. bis 9. Lebensmonat. Bereits ab dem 4. Lebensmonat ist eine Geschlechtsreife möglich, sodass ab diesem Alter männliche und weibliche Jungtiere getrennt aufgestallt werden sollten, um Frühträchtigkeiten zu vermeiden.
Die Zuchtreife ist eher abhängig von der körperlichen Konstitution und der Gewichtsentwicklung als vom Alter. Bei Holstein Rindern sollte man ein Körpergewicht von ca. 340 kg anstreben. Je nach Intensität der Aufzucht kann dies zu unterschiedlichen Zeitpunkten erreicht werden. In der heutigen Zucht wird ein Erstkalbealter von etwa 24 Monaten angestrebt, sodass die Erstbelegung mit etwa 15 Monaten durchgeführt wird.
Der Brunstzyklus
Die Brunst tritt bei der Kuh etwa alle 21 Tage auf, wobei kleine Schwankungen von 2 Tagen noch als normal betrachtet werden können. Er gliedert sich in mehrere Abschnitte:
Vorbrunst
Hier werden die Vorgänge der Hauptbrunst vorbereitet. Dauer dieses Abschnittes etwa 2 – 3 Tage. Erste Anzeichen, das eine Brunst kurz bevor steht.
Dieser Abschnitt ist durch gesteigerte Bewegung, Muhen, Aufsprungversuche und verminderte Futteraufnahme gekennzeichnet.
Hauptbrunst
Sie dauert in der Regel 30-36 Stunden. Dieser Abschnitt ist gekennzeichnet durch das Auftreten äußerlich wahrnehmbarer Brunstsymptome: Das Verhalten der Vorbrunst mit gesteigerter Aktivität und Aufsprungversuchen wird weniger. Die brünstige Kuh bleibt bei Annäherung anderer Tiere stehen, duldet das Besprungenwerden (Duldungsreflex) und nimmt den Schwanz dabei zur Seite. Zudem geht klarer Brunstschleim ab und die Durchblutung und das Anschwellen der Schamlippen nimmt zu.
Auf dem Eierstock der Kuh reift die Eiblase (Follikel) heran. Die Hauptbrunst ist abgeschlossen, wenn die Eiblase „springt“ und das in ihr befindliche Ei in den Eileiter gelangt, um dort befruchtet zu werden.
Nachbrunst
Sie dauert etwa 2 Tage. Die Brunsterscheinungen verschwinden langsam. Häufig ist ein Abgang von kleinen Mengen Blut aus den Schamlippen zu beobachten. Diesen Vorgang nennt man Abbluten.
Zwischenbrunst oder sexuelle Ruhephase
Dieser Abschnitt bezeichnet die Zeit zwischen der Hauptbrunst und der neuen Vorbrunst. Er dauert etwa 15 – 17 Tage. Auf dem Eierstock der Kuh befindet sich in dieser Phase ein Gelbkörper, der das Hormon Progesteron produziert.
Steuerung des Brunstzyklus
Gesteuert wird der Brunstzyklus durch Hormone. Es sind natürlich mehrere Hormone beteiligt, aber das würde hier wohl zu weit führen. Wichtig sind die Oestrogene, die in der Eiblase, dem Follikel, gebildet werden. Diese lösen die äußeren und inneren Anzeichen der Brunst aus. Sie wirken also:
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- an den Schamlippen: sie quellen auf
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- an den Schleimhäuten des Scheidenkanals und am Muttermund : sie werden stärker durchblutet und erscheinen dadurch gerötet
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- an der Gebärmutterwand und der Gebärmutterschleimhaut: hier kommt es zu einer Zunahme der Schleimbildung, dadurch wird die Oberfläche schlüpfrig. Außerlich sieht man den Brunstschleim im Schamspalt. Die Gebärmutterschleimhaut wächst.
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- an den Eileitern und den Eierstöcken.
Ein anderes Hormon (Luteinisierungs-Hormon LH) sorgt für die schnelle Eiblasenreifung und den Eisprung. Nach dem Eisprung entsteht aus der Eiblasenhöhle der sogenannte Gelbkörper.
Das Hormon, dass im Gelbkörper gebildet wird, heißt Progesteron. Es wird auch Trächtigkeitshormon genannt, weil es die beginnende oder fortschreitende Trächtigkeit schützt.
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- stellt die Gebärmutter ruhig
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- die Gebärmutterschleimhaut produziert ein nährstoffreiches Sekret, das in der ersten Zeit der Ernährung der befruchteten Eizelle dient.
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- im Gebärmutterhalskanal wird ein zähpappiger, abdichtender Schleim gebildet. Er schließt die Gebärmutter nach außen ab, sodass keine Erreger in die Gebärmutter eindringen können
Wenn keine Besamung oder Bedeckung stattgefunden hat, wird in der Gebärmutterschleimhaut ein weiteres Hormon gebildet, das Prostaglandin F-2-Alpha (PGF). Dieses Hormon sorgt für den Abbau des Gelbkörpers und ein neuer Zyklus kann beginnen.
Die Brunsterkennung ist sehr wichtig, um den günstigsten Besamungszeitpunkt zu finden. In den heutigen Kuhherden laufen nämlich meistens keine Bullen mehr mit, sondern die Kühe werden künstlich besamt. Man muss also oft im Stall sein, um Brunstverhalten zu erkennen. Heutzutage gibt es aber schon verschiedene Hilfsmittel, um die Brunst bei Kühen zu erkennen. Es gibt Halsbänder oder Ohrmarken, die einen vermehrte Aktivität der Kühe registrieren und entweder an einen Computer oder sogar in eine App auf dem Handy melden.
Besamung
Die Besamung kann durch einen Deckbullen oder eine künstliche Besamung geschehen. Ein Deckbulle kommt nur noch in wenigen Betrieben zum Einsatz. Die Haltung und der Umgang mit einem Bullen ist nicht ungefährlich. Die Samenportion bei einer natürlichen Bedeckung ist viel größer als bei einer künstlichen Besamung. Für künstliche Besamungen werden mehrere Portionen aus einem Ejakulat eines Bullen hergestellt. Ungefähr 0,5 bis 2 Mrd. Spermien pro ml sind in einem Ejakulat enthalten. Der Wert schwankt allerdings, zum Beispiel in Abhängigkeit von der Häufigkeit der Ejakulatgewinnung. Aus so einem Ejakulat können je nach Güte zwischen 100 und 1000 Portionen für die künstliche Besamung gewonnen werden. 15 bis 20 Millionen Spermien kommen in eine Portion, die in flüssigem Stickstoff bei -196°C aufbewahrt werden.
Eine erfolgreiche Besamung ist von mehreren Faktoren abhängig. Ist ein Bulle in der Kuhherde, wird die brünstige Kuh in der Regel mehrmals gedeckt. Bei der künstlichen Besamung (KB) wird nur einmal besamt. Hier ist der richtige Zeitpunkt sehr wichtig für den Erfolg. Die Besamung sollte im letzten Drittel der Brunst stattfinden. Der Bulle ist eigentlich ein Scheidenbesamer. Bei der KB wird das Sperma zudem direkt in die Gebärmutter eingebracht, denn die Menge an Sperma ist ja viel geringer.
Die Spermien brauchen nur wenig Zeit, um die Gebärmutter zu durchqueren und in den Eileiter zu gelangen. Schon 5-20 Minuten nach der Besamung konnten die ersten Spermien im Eileiter nachgewiesen werden. Die Spermien bleiben etwa 18 bis 24 Stunden lebensfähig., die Befruchtungsfähigkeit ist geringer. Die Eizelle ist dagegen nur etwa 6 Stunden nach Eisprung befruchtungsfähig. Da der Eisprung am Ende der Hauptbrunst geschieht, sollte auch die Besamung eher zum Ende der Brunst durchgeführt werden.
Die Spermien sind allerdings nicht direkt in der Lage, eine Eizelle zu befruchten. Erst durch den Kontakt mit den Sekreten im weiblichen Genitaltrakt kommt es zu einer sogenannten Nachreifung (Kapazitation). Diese dauert rund 6 Stunden.
Für eine erfolgreiche Besamung sind also die Wanderungsgeschwindigkeit der Spermien bis zum Ort der Befruchtung im Eileiter, die Zeit der Nachreifung und der begrenzten Befruchtungsfähigkeit der Eizelle und Spermium von Bedeutung.
Die Trächtigkeit
Die Trächtigkeit beim Rind dauert im Durchschnitt 280 bis 285 Tage, also mehr als 9 Monate oder 40 Wochen. In den ersten beiden Monaten spricht man von einem Embryo. Ab dem 3. Monat spricht man vom Fetus.
Die ersten Zellteilungen finden noch im Eileiter statt. Am 5./6. Tag erreicht die befruchtete Eizelle die Gebärmutterhöhle. Um den 20. Trächtigkeitstag ist der Embryo 1-2 mm groß, aber es ist schon eine Art Primitivherz, die Leberanlage und ein Teil des Darmes zu erkennen. Schon ab dem 25 bis 30. Tag kann man im Ultraschallbild schon einen Herzschlag sehen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Embryo etwa 3,5 mm groß, am 40. Tag 20-35 mm groß.
Während sich der Embryo auf seiner Eileiterwanderung und in der ersten Zeit in der Gebärmutter noch durch das aufsaugen von Nährflüssigkeit selbst ernähren kann, kommt es im Verlauf der 3. Woche zu einer erst lockeren und später festen Verbindung zwischen Gebärmutterwand und Embryo. Dadurch kann ein intensiverer Stoffaustausch stattfinden, und zwar nicht nur Nährstoffnachschub für die Entwicklung, sondern auch die Stoffwechselabfallprodukte.
Am Ende des 2. Trächtigkeitsmonats sind alle Organsysteme und Gewebe in der Urform angelegt. Der Embryo ist etwa 6-7 cm groß und hat ein Gewicht von ca. 14-19 g.
Bis zur Geburt sind alle Gewebe und Organe voll funktionstüchtig. Da das Rind zu den sogenannten Nestflüchtern gehören, sind die Kälber schon kurz nach der Geburt in der Lage zu stehen und zielgerichtet zu laufen. Seine Augen und Ohren funktionieren vollständig
Die Geburt
Beim Rind geht das Signal zur Geburt vom Kalb aus. Vom Kalb wird vermehrt das Hormon Kortison gebildet. Das Kortison bewirkt, dass das Progesteron, das Trächtigkeitsschutzhormon, abgebaut wird. Die Östrogene bereiten die Gebärmuttermuskulatur auf die bevorstehende Wehentätigkeit vor. Es kommt zu einer vermehrten Durchblutung, zu Wassereinlagerung und Schleimbildung. Dieses führt zu einer Aufquellung und Zunahme der Schlüpfrigkeit im Geburtskanal. Auch die Anbildung des Eutergewebes ist auf die Wirkung von Östrogen zurückzuführen.
Die Wehen werden durch Oxytocin ausgelöst.
Man unterteilt die Geburt in 3 Abschnitte:
Stadium I (Öffnungsphase)
In diesem Stadium öffnet sich der Muttermund. Das Kalb wird in eine geburtsvorbereitende Position gebracht. Normalerweise kommt das Kalb vorwärts zur Welt. Die Vorderbeine sind nach vorne gestreckt, der Kopf liegt oben auf den Vorderbeinen. Die Fruchtblase dehnt den Geburtsweg von innen langsam auf. Die Abstände von Wehen sind noch groß. Ist der Muttermund maximal geweitet, tritt der Kopf auf den Vorderbeinen liegend in den Muttermund ein.
Das Öffnungsstadium dauert rund 12 Stunden. Die Kuh zeigt ein gewisse Unruhe wie Hinlegen und Wiederaufstehen, Futterverweigerung, Abhalten des Schwanzes und Trippeln.
Stadium II (Austreibungsphase)
Mit dem Eintritt des Kopfes in das Becken verstärken sich die Wehen. Die Wehenabstände werden immer kleiner und die Fruchtblase wird im Schamspalt sichtbar. In diesem Stadium setzt auch die Bauchpressen ein. Wenn die Klauenspitzen im Schamspalt erscheinen, platzt meistens die erste Fruchtblase. In den Wehenpausen rutscht das Kalb meistens wieder leicht zurück. Kurze Zeit später wird der Kopf sichtbar. Sobald der Kopf den Schamspalt überwunden hat, schieben die folgenden Preßwehen den Brustkorb heraus. Die Gebärmutterwand zieht sich kräftig zusammen und schiebt das Kalb weiter in das Becken.
Wenn der Brustkorb ausgetreten ist, kippt das Kalb 90°, dadurch wird das Becken des Kalbes steiler gestellt und die Kniegelenke gestreckt. Diese können dann nicht am Beckeneingang hängen bleiben und das Kalb kann geboren werden. Die Nabelschnur reißt irgendwann ab und das Kalb ist dann auf sich alleine gestellt.
Stadium III (Nachgeburtsphase)
Nach dem Ende der Austreibungsphase beginnt der Abgang der Nachgeburt. Erst wenn diese vollständig abgegangen ist, ist die Geburt beendet. Die Nachgeburtswehen laufen noch 1 bis 2 Stunden nach dem Austritt des Kalbes und nehmen dann an Intensität und Häufigkeit ab. Ziel der Nachgeburtswehen ist die Gebärmutterhöhle zu verkleinern, noch vorhandene Fruchtwasserreste auszupressen und die Lösung der Nachgeburt zu beschleunigen. Der Abgang der Nachgeburt dauert in der Regel 2-6 Stunden. Danach schließt sich der Muttermund wieder.
Nach dem Beenden der Nachgeburtsphase kann der Zyklus wieder von vorne starten.
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Liebe Anke, das war ein sehr interessanter Artikel. Die Frage, ob Laktoseintoleranz heute häufiger ist, habe ich mir auch schon…