Ich bin seit einiger Zeit Vorsitzende des Schulelternrates. In dieser Funktion habe ich auf verschiedenen Abschlussfeiern eine Rede gehalten. Das Grundgerüst wurde jedes Jahr überarbeitet und ergänzt. Dieses ist die Version 2025.
Sehr geehrte Schülerinnen und Schüler, sehr geehrte Eltern, sehr geehrte Lehrerinnen und Lehrer, verehrte Gäste!
Heute ist ein besonderer Tag, denn wir feiern den Abschluss der Schulzeit an der Edith-Stein-Realschule. Ich freue mich sehr, dass ich als Elternratsvorsitzende zu euch sprechen darf – und im Namen aller Eltern einen großen herzlichen Glückwunsch an euch, Schülerinnen und Schüler, aussprechen kann!
Ein Wort an die Lehrerinnen und Lehrer:
Sie haben unsere Kinder nicht nur unterrichtet, sondern auch begleitet, gestützt, motiviert – manchmal sicher auch genervt, aber immer mit dem Ziel, sie weiterzubringen. Und das ist heute keine leichte Aufgabe.
Die Anforderungen im Schulalltag sind enorm: Wissen vermitteln, fördern, fordern, bewerten – und das alles eingebettet in zahlreiche zusätzliche Aufgaben wie Elterngespräche, Konferenzen, Inklusion, Digitalisierung, Schulentwicklung, Verwaltung und vieles mehr. Die To-do-Liste ist oft länger als der Unterrichtstag.
Und als wäre das nicht genug, mischen inzwischen auch künstliche Intelligenzen mit. Wenn sich ein Referat verdächtig fehlerfrei liest und in einem Stil, den nicht mal die Deutschlehrkraft ganz einordnen kann – tja, dann war ChatGPT fleißiger als der Schüler selbst.
Früher hieß es: Du darfst nicht abschreiben! Heute fragt man sich: Hast du das überhaupt selbst geschrieben?
Die Schule steht dadurch vor ganz neuen Herausforderungen – und wir stehen gemeinsam mit Ihnen vor der Aufgabe, unseren Kindern digitale Kompetenzen und kritisches Denken mitzugeben. Denn auch das ist Schule heute: Sie verändert sich. KI wird bleiben – und wir alle müssen lernen, damit umzugehen.
Trotz allem haben Sie, liebe Lehrerinnen und Lehrer, Großartiges geleistet.
Sie haben Ihre Schülerinnen und Schüler nicht nur mit Wissen versorgt, sondern mit Werten, Orientierung und Kritikfähigkeit. Sie haben eine wichtige Rolle in der Bildung und Persönlichkeitsentwicklung unserer Kinder gespielt und ihnen geholfen, ihr Potenzial zu entfalten.
Dafür sagen wir als Eltern: vielen Dank!
Liebe Eltern
auch wir dürfen heute ein bisschen stolz sein. Nicht nur auf unsere Kinder – auch auf uns selbst.
Denn wir haben vieles mitgetragen: Hausaufgabestress, Terminchaos, Pubertätskrisen, Wutausbrüche über Vokabeltests oder WLAN-Ausfälle.
Wir haben Pausenbrote geschmiert, Mittagessen bestellt, vergessene Sportsachen zur Schule gebracht, in der digitalisierten Welt vielleicht auch mal das iPad, diverse Zettel unterschrieben, wenn wir sie denn erhalten haben.
Wir haben Vokabeln abgefragt, Elternsprechtage und Elternabende durchgestanden. Wir haben unsere Kinder unzählige Male zur Schule oder Bushaltestelle gebracht, sie abgeholt, zu Freunden oder zum Sport gefahren, bis die Kinder dann irgendwann ihre eigene – meist motorisierte – Mobilität entdeckten.
Wir haben diskutiert, motiviert, mitgelitten und uns gemeinsam gefreut. Manchmal lief es nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber: Wer hat schon einen perfekten Lebenslauf?
Wichtig war und ist: Im Gespräch zu bleiben.
Nicht mit Vorwürfen oder besserwisserischen Ratschlägen – auch wenn einem manchmal die Geduld fehlt.
Sondern mit echtem Interesse, mit Vertrauen – und ja, mit dem Mut, die eigenen Kinder auch mal Fehler machen zu lassen.
Denn so lernen sie. Nicht durch unsere Umwege – sondern durch ihre eigenen.
Und jetzt zu euch, liebe Schülerinnen und Schüler – die Hauptpersonen des heutigen Tages!
Ihr habt es geschafft! Ein bedeutender Lebensabschnitt geht zu Ende – und ihr könnt mit Recht stolz auf euch sein.
Ihr habt euch durch Stundenpläne, Gruppenarbeiten, Klassenarbeiten und so manche Klassendiskussionen gearbeitet.
Manchmal mit Begeisterung, manchmal eher mit Widerwillen – aber ihr seid dran geblieben und das zählt.
Und mal ehrlich: Schule darf auch nicht zu viel Spaß machen, denn sonst will man ja gar nicht aufhören!
Aber ein bisschen schade ist es vielleicht trotzdem. Denn diese Schulzeit, mit all ihren Eigenheiten, hat euch geprägt – Freundschaften, gemeinsame Pausen, Erlebnisse, Lehrerzitate, die man nie vergisst.
Wie geht es jetzt weiter?
Ihr seid jetzt an dem Punkt zu überlegen, an dem viele Fragen im Raum stehen: Welcher Beruf soll es sein? Welche Ausbildung passt zu mir? Oder soll es weiter zur Schule gehen? Oder doch ganz was anderes?
Manche von euch wissen vielleicht schon ganz genau, wohin die Reise geht. Andere sind noch unsicher – das ist völlig okay.
Es gibt so viele Möglichkeiten, dass ich überzeugt bin: Jeder von euch wird etwas finden, das zu ihm passt.
Ihr werdet Entscheidungen treffen – und ja, vielleicht wird sich eine davon als falsch herausstellen.
Dann braucht es Mut, das einzugestehen und neu zu wählen. Aber das ist keine Schwäche, das ist echte Stärke.
Ihr habt jetzt die Chance, eure Wünsche und Träume zu verfolgen. Seid mutig. Glaubt an euch.
Und vergesst eines nicht:
Es ist eine Illusion, dass das Lernen jetzt vorbei ist.
Die Schule schließt vielleicht ein Kapitel – aber das Buch eures Lebens ist noch lang.
Lernen ist keine lästige Pflicht, sondern eine Einladung, euch weiterzuentwickeln – beruflich und persönlich.
Bleibt neugierig. Bleibt offen. Und bleibt euch selbst treu.
Ein Sprichwort sagt: Viele Wege führen nach Rom.
Das heißt: Es gibt viele Möglichkeiten, an sein Ziel zu kommen.
Manche nehmen den direkten Weg, andere probieren Abkürzungen und wieder andere nehmen Umwege in Kauf.
Aber alle kommen irgendwann an. Wichtig ist nur: Verliert euer Ziel nicht aus den Augen. Und wenn ihr mal in einer Sackgasse landet – dann nehmt eben einen anderen Weg. Hauptsache, ihr geht weiter.
Eine alte Weisheit besagt: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du musst keinen Tag in deinem Leben arbeiten.“
Das ist natürlich eine Idealvorstellung, und ich kenne keinen Job, in dem immer eitel Sonnenschein herrscht.
Aber der Satz enthält viel Wahrheit. Auch wenn man nicht immer sein Hobby zum Beruf machen kann, sollte man doch mit Freude und Motivation zur Arbeit gehen. Schließlich verbringt man großen Teil seines Lebens damit.
Also: schließt das Kapitel Schule und schlagt ein neues auf.
Feiert euren Abschluss! Feiert diesen besonderen Moment, euren Erfolg, euren Aufbruch.
Und freut euch auf das, was vor euch liegt.
Eure Eltern sind stolz auf euch. Und wir alle sind gespannt, was im nächsten Kapitel eures Lebensbuches stehen wird.
Ich wünsche euch von Herzen alles Gute –
und einen mutigen, hoffnungsvollen und neugierigen Start in eure Zukunft!

Liebe Anke, das war ein sehr interessanter Artikel. Die Frage, ob Laktoseintoleranz heute häufiger ist, habe ich mir auch schon…