Eine schwarz-weiße Kuh mit einer orangefarbenen Ohrmarke mit der Aufschrift 10 liegt in einem Stall auf einem Strohbett.

Milchfieber bei der Kuh – Calciummangel rund um die Abkalbung

Milchfieber bei Kühen gehört zu den typischen Erkrankungen rund um die Abkalbung und tritt meist in den Tagen um die Geburt auf. Ursache ist ein gestörter Calciumstoffwechsel in einer Phase, in der der Bedarf durch die einsetzende Milchbildung stark ansteigt. Besonders betroffen sind ältere und leistungsstarke Kühe.

Neben dem klinisch auffälligen Milchfieber spielt auch das subklinische Milchfieber eine wichtige Rolle. Die Folgen eines gestörten Calciumstoffwechsels können sich bis weit in die Laktation hineinziehen und gehen unter anderem mit einer reduzierten Futteraufnahme und einem erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen einher.

In diesem Artikel wird erläutert, wie Milchfieber entsteht, woran man es erkennt und welche Maßnahmen im Akutfall sinnvoll sind. Zudem wird aufgezeigt, warum Milchfieber mehr ist als ein kurzfristiges Problem rund um die Abkalbung.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • ✅ Milchfieber (Hypokalzämie) tritt vor allem rund um die Abkalbung auf und kann klinisch oder subklinisch verlaufen
  • ✅ Ursache ist eine verzögerte Anpassung des Calciumstoffwechsels an den stark steigenden Bedarf
  • ✅ Besonders gefährdet sind Kühe ab der dritten Laktation und leistungsstarke Tiere
  • ✅ Frühe Anzeichen werden häufig übersehen, schweres Milchfieber ist ein Notfall
  • ✅ Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad und reicht von oraler Calciumgabe bis zur intravenösen Therapie
  • ✅ Eine gezielte Vorbeugung in der Trockenstehzeit kann das Risiko deutlich senken

Was ist Milchfieber?

Milchfieber ist eine Stoffwechselerkrankung der Milchkuh, die durch einen akuten Abfall des Calciumgehalts im Blut gekennzeichnet ist. Der fachliche Begriff dafür lautet Hypokalzämie – der Name beschreibt bereits die Ursache der Erkrankung: Der Begriff Hypokalzämie setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen:

  • hypo = zu wenig
  • kalz = Calcium
  • ämie = im Blut

Wörtlich übersetzt bedeutet Hypokalzämie also „zu wenig Calcium im Blut“. Genau das ist die zentrale Ursache des Milchfiebers. Ein anderer Begriff ist Gebärparese. Der Begriff Gebärparese setzt sich aus zwei Teilen zusammen:

  • Gebär = Geburt
  • Parese = unvollständige Lähmung

Der Name beschreibt ein typisches klinisches Bild des Milchfiebers. Durch den stark erniedrigten Calciumgehalt im Blut kommt es zu einer Störung der Muskel- und Nervenfunktion. Die betroffenen Kühe zeigen Muskelschwäche, stehen unsicher oder können nicht mehr aufstehen. In schweren Fällen kommt es zum Festliegen.

Der Begriff Gebärparese wird vor allem verwendet, weil die Erkrankung zeitlich eng mit der Geburt verknüpft ist und die auffälligen Bewegungsstörungen im Vordergrund stehen. Er beschreibt damit eher die sichtbaren Symptome, während der Begriff Hypokalzämie die stoffwechselbedingte Ursache benennt.

Calcium ist unter anderem für die Muskelkontraktion, die Nervenfunktion und die Milchbildung essenziell. Rund um die Abkalbung steigt der Calciumbedarf der Kuh sprunghaft an, da große Mengen Calcium mit der einsetzenden Milchbildung ausgeschieden werden. Kann der Organismus diesen Bedarf nicht schnell genug aus Knochenreserven und über den Darm ausgleichen, kommt es zu einer Hypokalzämie.

Je nach Ausprägung unterscheidet man zwischen klinischem Milchfieber mit deutlich sichtbaren Symptomen und subklinischem Milchfieber, bei dem keine offensichtlichen Krankheitsanzeichen auftreten, der Calciumstoffwechsel jedoch bereits gestört ist. Gerade das subklinische Milchfieber bleibt häufig unentdeckt, kann aber die Grundlage für zahlreiche Folgeprobleme in der frühen Laktation bilden.

Milchfieber wird meist mit der Zeit nach der Abkalbung in Verbindung gebracht. Es kann jedoch auch bereits vor der Geburt auftreten, wenn der Calciumstoffwechsel den erhöhten Bedarf nicht ausreichend ausgleichen kann. Klinisch kann dies unter anderem zu einer verminderten Wehentätigkeit und erschwerten Geburten führen.

Warum tritt Milchfieber auf?

Sprunghaft steigender Calciumbedarf

Milchfieber entsteht, weil der Calciumstoffwechsel der Kuh rund um die Abkalbung nicht schnell genug an den stark ansteigenden Bedarf angepasst werden kann. Bereits während der Trächtigkeit wird Calcium für die Skelettbildung des Fetus benötigt (etwa 4–5 g Calcium pro Tag in der Trockenstehzeit).

Mit Beginn der Milchbildung steigt der Calciumbedarf dann innerhalb kurzer Zeit um ein Vielfaches an. Ein Liter Milch enthält im Durchschnitt etwa 1,25 g Calcium, Kolostrum sogar 1,8–2,5 g Calcium pro Liter. Entsprechend werden in den ersten Tagen nach der Abkalbung große Mengen Calcium über die Milch ausgeschieden.

Regulation des Calciumhaushalts

Der Calciumhaushalt wird normalerweise über drei zentrale Mechanismen reguliert:

  • die Freisetzung von Calcium aus den Knochen,
  • die Aufnahme von Calcium aus dem Darm,
  • sowie die Ausscheidung über die Niere.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Parathormon (PTH). Sinkt der Calciumspiegel im Blut, wird vermehrt PTH ausgeschüttet. Dieses Hormon aktiviert die Calciummobilisierung aus den Knochen und steigert die aktive Calciumresorption im Darm. Bis diese Mobilisierung aus den Knochen wirksam wird, vergehen jedoch etwa 48 Stunden.

Bedeutung von Fütterung, Rezeptoren und hormoneller Anpassung

Eine reiche Calciumversorgung in der Trockenstehzeit kann die Anpassungsfähigkeit des Calciumstoffwechsels erheblich beeinträchtigen. Wird der Calciumbedarf der Kuh in dieser Phase überwiegend über passiv resorbiertes Calcium aus dem Futter gedeckt, wird die PTH-abhängige aktive Calciumresorption kaum beansprucht.

Infolge des dauerhaft hohen Calciumangebots wird die Sekretion von Parathormon unterdrückt. Dadurch nimmt auch die Anzahl der PTH-Rezeptoren an den Zielgeweben ab. Muss der Organismus nach der Abkalbung plötzlich große Mengen Calcium mobilisieren, reagieren diese Gewebe verzögert oder unzureichend auf das Hormon.

Warum nicht jede Kuh betroffen ist

Warum diese Anpassung bei manchen Kühen nicht ausreichend funktioniert und sie Milchfieber entwickeln, während andere Tiere den steigenden Bedarf problemlos kompensieren, ist bislang nicht vollständig geklärt. Sicher ist jedoch, dass Alter, Fütterung in der Trockenstehzeit und die Höhe der Milchleistung eine zentrale Rolle bei der Entstehung des Milchfiebers spielen. Insbesondere ältere, leistungsstarke Kühe reagieren häufig langsamer auf die hormonellen Anpassungsprozesse.

Bedeutung von Calcium für Nerven- und Muskelfunktion

Calcium-Ionen spielen eine entscheidende Rolle bei der Erregungsübertragung an Nerven- und Muskelzellen. Sie sind sowohl an der Weiterleitung von Nervenimpulsen als auch an der Übertragung der Erregung auf die Muskelzelle beteiligt und damit für die Muskelkontraktion unverzichtbar.

Sinkt der Gehalt an frei verfügbarem Calcium im Blut, ist die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel gestört. Die Folgen sind eine verminderte Muskelspannung, Muskelschwäche und schließlich Lähmungserscheinungen. Diese Zusammenhänge erklären die typischen klinischen Symptome des Milchfiebers wie Unsicherheit beim Aufstehen, Festliegen und reduzierte Darm- und Pansenmotorik.

Welche Kühe sind besonders gefährdet?

Nicht jede Kuh entwickelt rund um die Abkalbung ein Milchfieber. Das Risiko ist jedoch bei bestimmten Tieren deutlich erhöht.

Laktationsnummer
In der Praxis spielt Milchfieber hauptsächlich ab der dritten Laktation eine Rolle. Erstkalbinnen sind in der Regel nicht betroffen, und auch in der zweiten Laktation tritt Milchfieber nur in Ausnahmefällen auf. Mit zunehmender Laktationszahl nimmt die Fähigkeit zur schnellen Anpassung des Calciumstoffwechsels ab, wodurch das Risiko für eine Hypokalzämie deutlich steigt.

Leistungsstarke Kühe
Kühe mit hoher Milchleistung haben unmittelbar nach der Abkalbung einen besonders hohen Calciumbedarf. Je höher die Milchmenge, desto größer ist der tägliche Calciumverlust über die Milch und desto größer ist das Risiko einer Hypokalzämie.

Kühe mit hoher Calciumaufnahme in der Trockenstehzeit
Eine reichliche Calciumversorgung vor der Abkalbung kann die hormonellen Anpassungsmechanismen hemmen. Der Organismus ist dann nicht ausreichend auf den plötzlich steigenden Bedarf nach der Geburt vorbereitet.

Kühe mit Milchfieber in der Vorgeschichte
Tiere, die bereits in früheren Laktationen Milchfieber hatten, weisen ein erhöhtes Wiederholungsrisiko auf.

Bestimmte Rassen und individuelle Unterschiede
Auch genetische Faktoren und individuelle Stoffwechselunterschiede scheinen eine Rolle zu spielen, wobei die genauen Zusammenhänge bislang nicht vollständig geklärt sind.

Woran erkennt man Milchfieber?

Das erste Stadium des Milchfiebers wird häufig übersehen, da die klinischen Erscheinungen zu Beginn oft nur dezent ausgeprägt sind. Mit zunehmender Hypokalzämie verschlechtert sich der Zustand der Kuh deutlich.

Stadium 1 – frühe klinische Anzeichen (häufig übersehen)

Zu Beginn sind die klinischen Erscheinungen oft unauffällig:

  • leicht verkrampfte Körperhaltung
  • abwechselndes Entlasten der Gliedmaßen
  • Muskelzuckungen, bevorzugt im Bereich der Schulter
  • vermindertes Wiederkauen
  • reduzierte Pansenmotorik

In diesem Stadium ist die Kuh meist noch stehend, wirkt aber bereits verändert.

Stadium 2 – ausgeprägtes klinisches Milchfieber

Im zweiten Stadium ist das Stehvermögen zunächst noch erhalten, die Kühe wirken jedoch deutlich beeinträchtigt:

  • schläfriger, teilnahmsloser Gesichtsausdruck
  • träge im Verhalten, stehen ungern auf
  • vermeiden es, sich abzulegen

Im weiteren Verlauf:

  • Festliegen in Brustlage durch schlaffe Lähmung der Muskulatur
  • anfänglich Aufstehversuche, die an mangelnder Kraft in der Hinterhand scheitern
  • später keine Aufstehversuche mehr
  • zunehmende Benommenheit (Somnolenz)
  • Kopf häufig seitlich an die Brust angelegt
  • Körpertemperatur normal oder leicht erniedrigt
  • Pansentätigkeit deutlich vermindert
  • meist kein Kot- und Harnabsatz

Stadium 3 – schweres Milchfieber

Das dritte Stadium tritt heute vergleichsweise selten auf, ist jedoch lebensbedrohlich:

  • zunehmende allgemeine Paralyse (vollständige Lähmung der Muskulatur)
  • Schnarchen oder Röcheln durch Lähmung des Gaumensegels
  • Aufgasen, da der Ruktus (Aufstoßen) beeinträchtigt ist
  • Seitenlage
  • keine Reaktion auf äußere Reize
  • kühle Körperoberfläche
  • stark herabgesetzte Reflexe und Hautsensibilität

Ohne umgehende Behandlung geht dieses Stadium in ein Koma über und endet tödlich.

Was ist im Akutfall zu tun?

Das Vorgehen bei Milchfieber richtet sich nach dem Ausmaß der klinischen Symptome. Je früher eingegriffen wird, desto einfacher und schonender ist die Behandlung.

Frühes Stadium/milde klinische Anzeichen

Zu Beginn der Erkrankung oder bei nur milden klinischen Auffälligkeiten können orale Calciumgaben ausreichend sein:

  • orale Calciumpräparate (z. B. Calcium-Bolus oder Calcium-Gel)
  • Unterstützung der Calciumversorgung in der frühen Laktation
  • enge Beobachtung der Kuh in den folgenden Stunden

Orale Calciumgaben sind außerdem prophylaktisch sinnvoll, insbesondere bei älteren Kühen oder Tieren mit bekanntem Risiko für Milchfieber.

Ausgeprägtes klinisches Milchfieber

Bei deutlicher Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens oder bei festliegenden Tieren ist eine tierärztliche Behandlung erforderlich. In diesen Fällen ist eine intravenöse Calciumgabe notwendig.

Während der Infusion muss die Herzfrequenz überwacht werden, da Calcium eine zentrale Rolle bei der Erregungsbildung und -leitung im Herzmuskel spielt. Eine zu schnelle oder zu hoch dosierte Calciumgabe kann Herzrhythmusstörungen verursachen. Deshalb muss die Infusion langsam und kontrolliert erfolgen, sodass bei Veränderungen der Herzaktivität unmittelbar reagiert werden kann.

Zeigt die Kuh während der Infusion Anzeichen einer Unverträglichkeit, kann ein Teil der Calciumlösung subkutan verabreicht werden. Dadurch erfolgt die Aufnahme langsamer und gleichmäßiger. Dabei ist zu beachten, dass nicht jede Calciumlösung für die subkutane Applikation geeignet ist. Die Herstellerangaben sind unbedingt zu berücksichtigen.

Eine alleinige subkutane Calciumgabe reicht jedoch in der Regel nicht aus, um den Calciumspiegel im Blut bei klinischem Milchfieber wirksam anzuheben. Sie stellt vielmehr eine ergänzende Maßnahme dar, insbesondere wenn die intravenöse Gabe nicht vollständig toleriert wird.

In seltenen Fällen kann eine intravenöse Calciumgabe trotz nachgewiesener Hypokalzämie kritisch verlaufen. Dies betrifft hauptsächlich Kühe mit schweren Begleiterkrankungen, etwa ausgeprägten Leberschädigungen oder massiven Stoffwechselstörungen. In solchen Situationen ist die kardiovaskuläre Belastbarkeit häufig stark eingeschränkt. Das Versterben während einer Calciuminfusion ist dann Ausdruck der schweren Grunderkrankung und nicht Ursache der Behandlung selbst.

Zusätzlich kann eine orale Calciumgabe sinnvoll sein, um den Calciumspiegel nach der initialen Behandlung zu stabilisieren und Rückfälle zu vermeiden.

Eine alleinige orale Calciumgabe ist in diesen Fällen nicht ausreichend.

Kalzium-Infusion bei einer festliegenden Kuh

Schweres Milchfieber (Festliegen, Seitenlage)

Bei schwerem Verlauf handelt es sich um einen akuten Notfall:

  • sofortiger Tierarzteinsatz
  • intravenöse Calciuminfusion zwingend erforderlich
  • zusätzliche unterstützende Maßnahmen (Lagerung, Wärmeerhalt)

Ohne rasche Behandlung ist die Prognose ungünstig.

Wirkung der Calciumtherapie und Verhalten nach der Behandlung

Bei benommenen (somnolenten) oder komatösen Tieren führt die intravenöse Calciumgabe in der Regel zu einer raschen Besserung des Bewusstseinszustands. Dies ist teilweise auf die kardiogen bedingte Blutdrucksteigerung zurückzuführen, die sich positiv auf die Durchblutung von Gehirn und Muskulatur auswirkt.

Weiterhin wirkt Calcium direkt auf die glatte Muskulatur, unter anderem im Bereich des Verdauungs- und Harntraktes. In der Folge setzen behandelte Tiere häufig Kot und Harn ab. Gelegentlich ist zudem ein Muskelzittern zu beobachten, das als Ausdruck der wieder einsetzenden neuromuskulären Erregbarkeit zu werten ist.

Tiere, die zuvor in Seitenlage verharrten, lassen sich meist kurz nach der Infusion in Brustlage verbringen. Der Muskeltonus – also die Grundspannung der Muskulatur – normalisiert sich zunehmend, und nicht selten zeigen die Kühe bereits kurze Zeit nach der Behandlung erste Aufstehversuche.

Aufgrund der Gefahr von auch nach der Infusion noch auftretenden Herzrhythmusstörungen sollten Kühe nicht unmittelbar nach der Behandlung zum Aufstehen angetrieben werden. Sinnvoll ist jedoch ein regelmäßiges Umlagern, da längeres Liegen auf einer Körperseite zu Nerven- und Muskelschäden führen kann, vergleichbar mit dem Gefühl einer „eingeschlafenen“ Gliedmaße.

Festliegende Kühe erreichen häufig weder Tränke noch Futtertisch. Bei längerem Festliegen müssen Wasser und Futter aktiv angeboten werden, um eine weitere Schwächung durch Dehydratation oder negative Energiebilanz zu vermeiden.

Bleiben Kühe trotz mehrfacher Behandlung festliegen, sollten weitere Ursachen für das Festliegen in Betracht gezogen werden. Zum Ausschluss eines weiterhin bestehenden Calciummangels ist eine Untersuchung des Blutcalciumspiegels sinnvoll. Auch orthopädische, neurologische oder metabolische Ursachen müssen dann abgeklärt werden.

Fütterung und weitere Maßnahmen zur Vorbeugung von Milchfieber

Wie oben beschrieben, sprechen bei Kühen, die an Milchfieber mit Festliegen erkranken, die Endorgane häufig ungenügend auf die grundsätzlich funktionierenden Mechanismen zur Anhebung des Blutcalciumspiegels an. Ziel der Fütterung in der Trockenstehzeit ist es daher, diese Regulationsmechanismen rechtzeitig zu aktivieren.

Knappe Calciumversorgung in der Trockenstehzeit

Bei einer knappen Calciumversorgung in der Trockenstehzeit wird der Organismus gezwungen, die aktive Calciumresorption im Darm sowie die Freisetzung von Calcium aus dem Knochen frühzeitig zu nutzen. Dadurch wird der Calciumstoffwechsel „trainiert“ und kann nach der Abkalbung schneller auf den sprunghaft steigenden Bedarf reagieren.

Regulierung des Kationen-Anionen-Verhältnisses (DCAB)

Eine weitere Möglichkeit zur Vorbeugung von Milchfieber ist die Fütterung sogenannter saurer Salze, mit denen das Kationen-Anionen-Verhältnis (DCAB) der Ration beeinflusst wird. Ziel ist eine leichte metabolische Azidose, durch die die Wirksamkeit des Parathormons verbessert und die Mobilisierung von Calcium erleichtert wird.

Diese Methode erfordert jedoch eine exakte Rationsberechnung und Kontrolle und sollte nur bei entsprechender fachlicher Begleitung eingesetzt werden.

Vitamin-D-Gabe vor der Abkalbung

Eine weitere prophylaktische Maßnahme ist die Gabe von Vitamin D etwa zwei bis fünf Tage vor dem erwarteten Abkalbetermin. Vitamin D fördert die Resorption von Calcium aus dem Darm sowie die Mobilisierung aus dem Knochen.

Die Wirksamkeit dieser Methode hängt jedoch stark vom richtigen Zeitpunkt ab. Erfolgt die Abkalbung zu früh oder erst nach Abfall der wirksamen Gewebespiegel, bleibt der gewünschte Effekt aus. Da der Abkalbetermin in der Praxis häufig nicht exakt vorhersehbar ist, gilt diese Methode als unsicher.

Von einer Wiederholung der Vitamin-D-Gabe, etwa bei späterer Abkalbung, ist dringend abzuraten. Es besteht die Gefahr einer Hypervitaminose D – einer Überversorgung mit Vitamin D, die zu schweren Störungen des Calcium- und Phosphorstoffwechsels, Verkalkungen von Organen und schweren Allgemeinsymptomen führen kann.

Orale Calciumgabe rund um die Abkalbung

Deutlich sicherer ist die gezielte orale Calciumgabe bei gefährdeten Kühen:

  • erste Gabe am Tag vor dem erwarteten Abkalbetermin
  • zweite Gabe zum Zeitpunkt der Geburt
  • weitere Gaben in den folgenden ein bis zwei Tagen

Mit diesem Vorgehen lässt sich die Häufigkeit von Festliegen bei Risikotieren deutlich reduzieren.

Zurückhaltendes Ausmelken nach der Geburt

Als zusätzliche Maßnahme kann es sinnvoll sein, die Kühe nicht vollständig auszumelken, sondern nur so viel Milch zu entnehmen, wie zur Versorgung des Kalbes erforderlich ist. Dadurch wird der Kuh weniger Calcium über die Milch entzogen.

Diese Maßnahme stellt jedoch keine alleinige Prophylaxestrategie dar. Zudem ist zu berücksichtigen, dass verbleibende Restmilch im Euter das Mastitisrisiko erhöhen kann. Sie sollte daher nur im Gesamtkonzept betrachtet werden.

Meine klare Empfehlung

Meiner Meinung nach lässt sich Milchfieber am wirkungsvollsten durch eine Kombination aus angepasster Fütterung in der Trockenstehzeit, der gezielten Unterstützung von Risikokühen rund um die Abkalbung durch eine orale Kalziumgabe sowie einem aufmerksamen Management in der peripartalen Phase beeinflussen.

Einzelne Maßnahmen allein greifen häufig zu kurz. Entscheidend ist, den Calciumstoffwechsel der Kuh frühzeitig auf den steigenden Bedarf vorzubereiten und gefährdete Tiere rechtzeitig zu erkennen und gezielt zu unterstützen.

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Dr. Anke Cras

Über mich: Ich bin Tierärztin und Landwirtin aus Leidenschaft. Mit meiner Familie lebe ich auf einem Milchviehbetrieb in der Grafschaft Bentheim. Seit über 20 Jahren arbeite ich täglich mit Kühen, Kälbern, Grünland und allem, was zur modernen Tierhaltung dazugehört. 

In meinem Blog teile ich Wissen aus der landwirtschaftlichen und tierärztlichen Praxis – verständlich erklärt, mit einem Blick über den Tellerrand. Mir ist es wichtig, dass nicht nur Fachleute, sondern auch Verbraucher:innen und Interessierte nachvollziehen können, wie Landwirtschaft bei uns betrieben wird.

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Ich bin Tierärztin und kümmere mich um die Gesundheit unserer Tiere – vom Kalb bis zur Kuh.
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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Stella

    Moin Anke,

    vielen Dank für diesen sehr wertvollen und informativen Artikel! Die Erklärungen sind wirklich gut zu verstehen und auch die Empfehlungen sehr gut nachvollziehbar.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Freude beim Bloggen!
    Herzliche Grüße
    Stella

    1. Anke Cras

      Liebe Stella!
      Vielen Dank für die nette Rückmeldung!

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