Das Melken im Melkstand

In diesem Blog erkläre ich erst einmal grundlegende Dinge des Melkens. Anschließend erzähle ich euch, wie ich bei uns melke.

Grundlagen

Die Milchkuh, die im Melkstand gemolken wird, wird in der Regel zweimal täglich gemolken. Dabei sollte der Abstand zwischen den Melkungen möglichst gleich sein. Optimal wäre also zum Beispiel um 6 Uhr morgens und um 18 Uhr abends zu melken.

Eine Kuh gibt nur Milch, wenn sie vorher ein Kalb bekommen hat. Danach kann eine Kuh allerdings bis zu einem Jahr oder sogar länger Milch geben. Zu Beginn der Laktation – so nennt man die Phase, in der die Kuh Milch gibt – steigt die Milchproduktion. Nach etwa 6 Wochen ist das Maximum erreicht. Individuell unterschiedlich sinkt dann die Milchmenge zum Ende der Laktation ab.

Für einen Liter Milch müssen etwa 500 Liter Blut durch das Euter gepumpt werden.

Während der Laktation muss die Kuh wieder besamt werden, damit sie nach der Geburt des nächsten Kalbes in die nächste Laktation starten kann.

Vor der Geburt des nächsten Kalbes gibt es die sogenannte Trockenstehzeit. In dieser Zeit (in der Regel sechs bis acht Wochen) wird die Kuh nicht mehr gemolken. Sie hat sozusagen Urlaub und kann sich von der Laktation erholen und sich auf die Geburt vorbereiten.


Melken bei uns auf dem Hof

Bei uns auf dem Hof melken wir morgens um 6 Uhr und abends um 17 Uhr. Das ist – wie oben beschrieben – nicht ganz optimal. Das Melken dauert allerdings zwischen zwei und drei Stunden. Deswegen fangen wir abends nach 11 Stunden an, weil wir natürlich auch irgendwann mal Feierabend haben wollen.

Wir melken meistens zu zweit. Einer ist im Melkstand und einer arbeitet im Stall. In unserem Stall gibt es mehrere Abteilungen, die durch Schranken abgetrennt sind. Zu Beginn werden die Kühe in den Melkstand getrieben. Wir melken in einem steilen Fischgräten – Melkstand mit sieben Plätzen auf beiden Seiten. Das bedeutet, dass die Kühe schräg stehen, mit dem Kopf zur Wand hin und das Hinterteil mit dem Euter zeigt zur Melkgrube. In der Steilen Variante wird das Melkzeug zwischen beiden Hinterbeinen angesetzt.

Nach dem Ansetzen aller Melkzeuge, geht die zweite Person in den Stall und treibt die Kühe aus dem ersten Bereich hinter dem Melkstand weiter und trennt diesen Bereich durch eine Schranke ab. So werden die gemolkenen Kühe von den noch nicht gemolkenen Kühe abgetrennt. Gleichzeitig werden die Liegeboxen gesäubert und mit frischem Sägemehl eingestreut. Dieser Vorgang wiederholt sich solange, bis alle Kühe gemolken sind. Dazu werden immer wieder neue Bereiche abgetrennt, somit müssen Kühe, die noch nicht gemolken sind, aber noch in der Liegebox liegen, nicht sofort aufstehen, sondern können noch eine Zeit lang liegen bleiben, bis der Platz für die gemolkenen Kühe gebraucht wird.

Im Melkstand werden die Zitzen der Kühe mit einem Küchenpapier – für jede Kuh ein Papier – gesäubert. Das dient zum einem dazu, die Zitzen zu reinigen, zum anderen stimuliert die Berührung und Massage der Zitzen die Kuh. Es erfolgt die Ausschüttung des Hormons Oxytocin. Dieses ist unter anderem für das sogenannte Einschießen der Milch zuständig. Das bewirkt, dass die Kuh die Milch laufen lässt. Meistens wird vor dem Ansetzen der Melkbecher die Milch kurz überprüft. Man melkt ein bisschen Milch auf den Boden. Dann kann man die Milch in Augenschein nehmen. Es können zum Beispiel Flocken in der Milch sein. Das deutet auf eine Euterentzündung hin, die man dann behandeln müsste. Ebenso könnte die Milch wässrig oder ganz dickflüssig sein, auch so etwas kann auf eine Entzündung hindeuten. Wenn alles ok ist, wird die Kuh gemolken.

Dieses dauert je nach Milchleistung etwa 8 bis 15 Minuten. Manche Kühe sind leichtmelkend oder schwermelkend. Dieses wird im durchschnittlichen Minutengemelk gemessen, also in Liter Milch pro Minute. In unserem Melkstand gibt es eine automatische Abnahme. Wenn der Milchfluß unter einen definierten Wert fällt, geht das Vakuum zurück und das Melkzeug wird abgezogen. Dadurch wird verhindert, dass die Kuh gemolken wird, obwohl keine Milch mehr kommt. Das ist eine hohe Belastung für die Zitzen. Man nennt das auch Blindmelken.

Nach dem Melken werden die Zitzen der Kuh gedippt. Dazu benutzt man ein Mittel mit pflegenden und desinfizierenden Substanzen. Die Pflegemittel halten die Haut der Zitzen geschmeidig. Die Desinfektion verhindert, dass Bakterien in den Strichkanal (das ist die untere Öffnung der Zitze) eindringen. Dieser ist noch einige Zeit nach dem Melkvorgang offen. Wenn alle Kühe einer Seite fertig sind, können sie gemeinsam den Melkstand verlassen und neue Kühe in den Melkstand kommen.

Wenn du Fragen oder Anmerkungen hast, schreibe sie in den Kommentar.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Ein schöner Artikel, sehr gut und detailliert beschrieben.
    Eure Kühe sind sehr sauber, find ich klasse!
    Mir fällt nur auf, dass Du in einem Artikel schreibst, dass für 1 Liter Milch 500 Liter Blut durchs Euter müssen und hier stehen 400 Liter Blut.
    Das ist mir nur aufgefallen.
    Ansonsten schwelge ich gerade in Erinnerungen. 🙂

    1. Anke

      Liebe Anja! Vielen Dank für deinen Kommentar. Das war mir noch gar nicht aufgefallen. Das werde ich umgehend berichtigen.
      Liebe Grüße
      Anke

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