Eine schwarz-weiße Kuh liegt und schläft auf einem Bett aus Stroh oder Sägemehl, die Augen geschlossen und den Kopf auf den Boden gelegt.

Metritis bei der Kuh – Gebärmutterentzündung nach der Kalbung

Die Kalbung liegt hinter ihr, das Kalb läuft – und trotzdem stimmt etwas nicht. Die Kuh frisst schlecht, wirkt matt, hat Fieber. Und aus der Scheide kommt ein Ausfluss, der nicht nach frischer Kalbung riecht, sondern nach Entzündung.

In solchen Fällen lautet die Diagnose häufig: Metritis – eine Gebärmutterentzündung in der frühen Phase nach der Kalbung.

Sie gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei Milchkühen in der Frischlaktation und ist eng verbunden mit dem, was in den Stunden und Tagen rund um die Geburt passiert. Wer die Zusammenhänge kennt, kann früh handeln – und vieles verhindern.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Metritis ist eine der häufigsten Erkrankungen in der Frischlaktation. Sie entsteht, wenn Bakterien nach der Kalbung in eine offene, immungeschwächte Gebärmutter gelangen – begünstigt durch Nachgeburtsverhaltung, Schwergeburt, mangelnde Hygiene oder einen belasteten Stoffwechsel.
  • Die Symptome – übelriechender Ausfluss, Fieber, Fressunlust, schlechtes Allgemeinbefinden – treten meist in der ersten Woche nach der Kalbung auf. Rechtzeitig erkannt und behandelt, ist die Prognose gut. Wird sie übersehen oder verschleppt, zieht sie eine lange Kette von Folgeproblemen nach sich.
  • Vorbeugung ist möglich – und lohnt sich, nicht nur für die einzelne Kuh, sondern für die ganze Herde.

Was ist eine Metritis – und was unterscheidet sie von Endometritis?

Die Begriffe Metritis und Endometritis werden im Alltag oft durcheinandergebracht. Dabei beschreiben sie unterschiedliche Zustände.

Kurz erklärt: Die Gebärmutter (Uterus) besteht aus mehreren Schichten. Die innerste Schicht ist die Schleimhaut, das sogenannte Endometrium. Darunter liegen Muskelschichten und die äußere Hülle des Organs.

  • Endometritis bezeichnet eine Entzündung, die auf die Schleimhautschicht begrenzt ist. Sie tritt meist später auf – in der Regel ab der zweiten bis dritten Woche nach der Kalbung – und verläuft oft ohne deutliche Allgemeinsymptome.
  • Metritis dagegen ist eine tiefergehende Entzündung, die alle Schichten der Gebärmutterwand betrifft. Sie tritt früher auf, meist in den ersten ein bis zwei Wochen nach der Kalbung, und geht häufig mit einem deutlich gestörten Allgemeinbefinden einher.

In diesem Artikel geht es um die akute puerperale Metritis – die Gebärmutterentzündung in der Zeit nach dem Kalben.

Wie kommt es zur Metritis?

Die Gebärmutter ist unmittelbar nach der Kalbung offen. Der Muttermund ist weit gestellt, der natürliche Schutzwall ist vorübergehend aufgehoben – und gleichzeitig ist das Immunsystem der Kuh in dieser Phase erheblich unter Druck.

Bakterien, die über die Scheide in die Gebärmutter gelangen, finden dort ideale Bedingungen: Wärme, Feuchtigkeit, abgestorbenes Gewebe – zum Beispiel Reste der Nachgeburt – als Nährboden.

Zu den häufig beteiligten Erregern gehören unter anderem Escherichia coli, Trueperella pyogenes und verschiedene anaerobe Keime. In vielen Fällen handelt es sich um eine Mischinfek­tion.

Die Entzündung entwickelt sich oft als direkte Folge einer Nachgeburtsverhaltung (Retentio secundinarum). Bleibt Plazentagewebe in der Gebärmutter zurück, steigt das Risiko für eine Metritis deutlich an. Aber auch ohne Nachgeburtsverhaltung kann eine Metritis entstehen – begünstigt durch mangelnde Hygiene rund um die Geburt, Schwergeburten oder ein geschwächtes Immunsystem.

Welche Faktoren erhöhen das Risiko?

Nicht jede Kuh entwickelt nach einer Kalbung eine Metritis. Es gibt Faktoren, die das Risiko deutlich erhöhen:

  • Nachgeburtsverhaltung – das häufigste Risiko überhaupt
  • Schwergeburt oder tierärztliche/geburtshilfliche Eingriffe – je stärker der Eingriff, desto größer die Keimbelastung
  • Mangelnde Hygiene im Abkalbebereich – verschmutztes Stroh, überfüllte Abkalbeboxen
  • Zwillingsgeburten – die Gebärmutter ist stärker beansprucht
  • Geschwächtes Immunsystem – bedingt durch Energiemangel, Ketose, Milchfieber oder Stress
  • Fehlernährung in der Trockenstehzeit – insbesondere Mängel bei Selen, Vitamin E oder Beta-Carotin
  • Ältere Kühe – sie haben eine höhere Kalbezahl und damit mehr Gewebeveränderungen in der Gebärmutter

Viele dieser Faktoren hängen direkt zusammen. Eine Kuh, die nach der Kalbung unter Ketose leidet, frisst schlechter, ihr Immunsystem ist geschwächt – und das Risiko einer Metritis steigt. Die Erkrankungen der Frischlaktation verstärken sich gegenseitig.

Woran erkennt man eine Metritis?

Eine Metritis zeigt sich meist innerhalb der ersten ein bis zwei Wochen nach der Kalbung. Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Typische Anzeichen:

Ausfluss aus der Scheide: Das auffälligste Zeichen ist häufig ein wässriger bis schleimiger Ausfluss aus dem Schamspalt. Er kann bräunlich, rötlich oder graubraun sein und riecht typischerweise unangenehm bis übel. In schweren Fällen ist er dünnflüssig und von deutlich fauligem Geruch.

Fieber: Bei der akuten Metritis ist Fieber ein zentrales Symptom. Die Körpertemperatur liegt über 39,5 °C, in schweren Fällen deutlich darüber. Regelmäßiges Fiebermessen bei frisch abgekalbten Kühen in den ersten Tagen ist deshalb ein einfaches und wertvolles Mittel zur Früherkennung.

Gestörtes Allgemeinbefinden: Die Kuh wirkt matt und teilnahmslos, sie liegt überdurchschnittlich viel und steht schwerfällig auf. Die Ohren hängen, der Blick ist stumpf.

Verminderte Futteraufnahme: Eine Kuh mit Metritis frisst weniger – oft deutlich weniger. Gerade in der Frischlaktation, wo eine gute Futteraufnahme entscheidend für den Energiehaushalt ist, hat das unmittelbare Folgen für den gesamten Stoffwechsel.

Milchleistungsabfall: Parallel zur schlechten Futteraufnahme sinkt die Milchleistung. Das fällt im Alltag schnell auf – und ist oft der erste Hinweis, dass etwas nicht stimmt.

Schweregrade

Die Metritis wird in der Praxis nach Schwere eingeteilt:

  • Leichte Form: auffälliger Ausfluss, aber kaum gestörtes Allgemeinbefinden, kein Fieber
  • Mittelschwere Form: Fieber, reduzierte Futteraufnahme, deutlich schlechteres Allgemeinbefinden
  • Schwere (toxische) Form: hohes Fieber, starke Allgemeinbeeinträchtigung, Kreislaufschwäche – die Kuh ist ernsthaft krank

Die schwere Form ist ein tiermedizinischer Notfall und muss umgehend behandelt werden.

Wie wird Metritis behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad. Eine leichte Metritis mit unauffälligem Allgemeinbefinden kann manchmal anders bewertet werden als eine schwere Entzündung mit Fieber und Kreislaufbeteiligung.

Antibiotika sind bei der akuten Metritis mit Allgemeinsymptomen in der Regel das Mittel der Wahl. Eingesetzt wird systemisch – also über eine Injektion, nicht nur lokal in die Gebärmutter. Welches Antibiotikum und für wie lange, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt.

Entzündungshemmer (NSAIDs) wie Meloxicam oder Flunixin werden ergänzend eingesetzt. Sie reduzieren Fieber und Entzündung, verbessern das Allgemeinbefinden der Kuh und können dazu beitragen, dass sie wieder besser frisst.

Unterstützende Maßnahmen sind genauso wichtig wie die gezielte Therapie: Flüssigkeits- und Energiezufuhr, Leberschutz, Kreislaufstabilisierung – alles, was der Kuh hilft, die Erkrankungsphase besser zu überstehen und schnell wieder in eine positive Energiebilanz zu kommen.

Intrauterine Behandlungen – also das Einbringen von Medikamenten direkt in die Gebärmutter – werden heute deutlich zurückhaltender eingesetzt als früher. In vielen Fällen ist eine systemische Behandlung wirksamer und schonender.

Wenn das Allgemeinbefinden der Kuh gestört ist, muss in der Regel eine systemische Behandlung erfolgen.

Welche Folgen kann eine unbehandelte Metritis haben?

Eine Metritis, die nicht oder zu spät behandelt wird, bleibt selten ohne Konsequenzen.

Die Entzündung kann sich ausdehnen oder in eine chronische Endometritis übergehen – eine schleichende, oft lange unbemerkte Gebärmutterentzündung, die die Fruchtbarkeit erheblich beeinträchtigt.

Typische langfristige Folgen sind:

  • Verlängerte Zwischenkalbezeiten – die Kuh wird später oder gar nicht tragend
  • Stille oder unregelmäßige Brunsten – der Zyklus normalisiert sich verzögert
  • Erhöhter Behandlungsaufwand beim Besamen
  • Erhöhtes Risiko für Ovarialzysten

Und auch kurzfristig entstehen Folgeprobleme: Die schlechte Futteraufnahme verschärft eine negative Energiebilanz, erhöht das Risiko einer Ketose und begünstigt eine Labmagenverlagerung. Erkrankungen, die sich gegenseitig verstärken – das ist das bekannte Muster der Frischlaktation.

Wie lässt sich Metritis vorbeugen?

Die gute Nachricht ist: Vieles lässt sich beeinflussen. Vorbeugung beginnt lange vor der Kalbung.

Hygiene rund um die Abkalbung: Saubere, gut eingestreute Abkalbebuchten, regelmäßige Reinigung und konsequente Hygiene bei geburtshilflichen Eingriffen sind grundlegende Maßnahmen. Keime, die gar nicht erst in die Gebärmutter gelangen, können dort keinen Schaden anrichten.

Vorbeugung und Management der Nachgeburtsverhaltung: Da die Nachgeburtsverhaltung das größte Risiko für eine Metritis darstellt, ist alles, was ihrem Auftreten entgegenwirkt, auch Prävention der Metritis: gute Spurenelementversorgung (besonders Selen und Vitamin E), ausgewogene Trockensteherfütterung, Kalzium-Management rund um die Geburt.

Frühes Erkennen durch regelmäßige Kontrolle: Frisch abgekalbte Kühe täglich beobachten und in den ersten Tagen konsequent Fieber messen – das kostet wenig Zeit und ermöglicht frühes Eingreifen. Je früher eine Metritis erkannt wird, desto besser ist die Prognose.

Stressarmes Umfeld: Stress schwächt das Immunsystem. Ruhige Abkalbebedingungen, ausreichend Platz und eine stabile Gruppenstruktur tragen dazu bei, dass Kühe die kritische Phase nach der Kalbung mit stabiler Abwehrlage überstehen.

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Dr. Anke Cras

Über mich: Ich bin Tierärztin und Landwirtin aus Leidenschaft. Mit meiner Familie lebe ich auf einem Milchviehbetrieb in der Grafschaft Bentheim. Seit über 20 Jahren arbeite ich täglich mit Kühen, Kälbern, Grünland und allem, was zur modernen Tierhaltung dazugehört. 

In meinem Blog teile ich Wissen aus der landwirtschaftlichen und tierärztlichen Praxis – verständlich erklärt, mit einem Blick über den Tellerrand. Mir ist es wichtig, dass nicht nur Fachleute, sondern auch Verbraucher:innen und Interessierte nachvollziehen können, wie Landwirtschaft bei uns betrieben wird.

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Ich bin Tierärztin und kümmere mich um die Gesundheit unserer Tiere – vom Kalb bis zur Kuh.
Auf meinem Blog schreibe ich über Landwirtschaft, Tierwohl, Rinderwissen, aktuelle Themen und Persönliches aus dem Hofalltag.

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