Eine Frage zu Süßstoffen im Milchaustauscher

Neulich erhielt ich eine Frage, die ich gerne aufgreife, weil sie so viele wichtige Punkte anspricht:

„Ich habe gelesen, dass Süßstoffe in der Kälbermast verwendet werden, stimmt das? Sind in dem Milchaustauscher Süßstoffe enthalten? Sind diese dann im Fleisch enthalten, sodass Menschen mit Allergien Probleme bekommen können? Vielleicht bin ich mit meiner Frage hier nicht richtig, würde mich aber trotzdem über eine Antwort oder einen Hinweis freuen.“

Zunächst: Ja, Du bist mit dieser Frage genau richtig. Ich finde es sehr wichtig, dass Verbraucherinnen und Verbraucher sich Gedanken darüber machen, woher ihre Lebensmittel kommen und wie Tiere gehalten und gefüttert werden. Deshalb nehme ich mir gerne Zeit für eine sachliche und transparente Antwort.

Was ist Milchaustauscher?

Ein Milchaustauscher ist ein Milchpulver, das mit warmen Wasser angerührt wird und dann wie eine Tränke verfüttert wird – statt oder zusätzlich zur Kuhmilch. Er besteht aus:

  • Molkenpulver oder anderen Milchnebenprodukten (z. B. Magermilchpulver),
  • pflanzlichen und tierischen Fetten (z. B. Palmöl, Kokosfett),
  • Proteinen, oft aus Milch, teilweise auch aus pflanzlichen Quellen,
  • sowie Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme, ggf. Aromastoffe oder Süßstoffe.

Sie sind darauf ausgelegt, die Nährstoffbedürfnisse von Kälbern in den ersten Lebenswochen optimal zu decken. Die genaue Zusammensetzung kann variieren, wobei hochwertige Produkte oft einen höheren Anteil an Milchbestandteilen aufweisen.

Warum wird MAT eingesetzt?

  1. Verfügbarkeit & Wirtschaftlichkeit
    Die Milch der Kühe wird in der Regel verkauft – das ist die Haupteinnahmequelle des Betriebs. Ein Milchaustauscher ist günstiger als Verkaufs- oder Tankmilch und in großen Mengen verlässlich verfügbar. Milchaustauscher sind länger haltbar als frische Kuhmilch und können bei Bedarf zubereitet werden. Dies ist besonders vorteilhaft für Betriebe, die nicht ständig Zugang zu frischer Milch haben oder die produzierte Milch verkaufen möchten. Ich habe früher gerne MAT eingesetzt, weil ich dann beim Melken nicht auf die eine Kuh, mit deren Milch die Kälber gefüttert werden sollten, warten musste, sondern zeitunabhängig meine Kälber füttern konnte. Warum ich auf Vollmilch umgestiegen bin, findest du hier.
  2. Gleichbleibende Qualität
    MAT ist standardisiert – das heißt: immer die gleiche Zusammensetzung, gleichbleibender Energie- und Eiweißgehalt. Das ist wichtig für eine gleichmäßige Entwicklung der Kälber.
  3. Hygiene & Gesundheit
    MAT ist lange haltbar und kann unter hygienisch kontrollierten Bedingungen angerührt werden. Weil der MAT pasteurisiert und getrocknet ist, reduziert sich das Risiko der Übertragung von Krankheitserregern, die in roher Milch vorhanden sein könnten..
  4. Bedarfsgerechte Fütterung
    Die Nährstoffe im MAT sind genau auf das Alter und den Bedarf der Kälber abgestimmt. Für verschiedene Phasen gibt es unterschiedliche Produkte (z. B. Start-MAT, Hochleistungs-MAT).

Werden Süßstoffe eingesetzt?

Ja, in manchen Milchaustauschern sind Aromastoffe oder auch Süßstoffe enthalten. Das Ziel: Die Akzeptanz und die Futteraufnahme bei den Kälbern zu verbessern, da Kälber auf süßen Geschmack geprägt sind. Gerade bei jungen Tieren, die sensibel auf Geschmack und Geruch reagieren, kann ein angenehmer Geschmack helfen, dass sie ihre Rationen zuverlässig aufnehmen. Die verwendeten Mengen sind dabei sehr gering und unterliegen strengen Vorgaben. Beispielsweise können Extrakte aus Stevia-Blättern oder Kombinationen aus Saccharin und Neohesperidin eingesetzt werden. Diese Süßstoffe haben eine hohe Süßkraft und sind in der Regel gut verträglich.

Gelangen Süßstoffe ins Fleisch?

Diese Frage ist besonders wichtig. Die meisten Süßstoffe werden im Körper der Tiere verstoffwechselt oder ausgeschieden und reichern sich nicht im Gewebe an. Dass sie in nennenswerter Menge ins Fleisch gelangen, ist nach aktuellem wissenschaftlichen Stand sehr unwahrscheinlich. Dazu kommt: Futtermittel werden in Deutschland und der EU streng kontrolliert. Es gibt Rückstandhöchstmengen, Zulassungspflichten und regelmäßige Proben. Die Diskussion um Süßstoffe in der Tiermast bezieht sich häufig auf mögliche Auswirkungen auf den Stoffwechsel oder das Essverhalten, nicht aber auf Rückstände im Fleisch.

Was ist mit Allergien?

Die Sorge, dass Menschen mit Allergien durch solche Stoffe im Fleisch gesundheitliche Probleme bekommen könnten, ist nachvollziehbar. Die meisten Süßstoffe gelten als wenig allergen und verursachen bei den allermeisten Menschen keine allergischen Reaktionen. Allerdings gibt es Ausnahmen: Bestimmte Süßstoffe wie Thaumatin können allergische Reaktionen auslösen, insbesondere bei Menschen, die bereits gegen Pollen oder bestimmte Früchte allergisch sind. Auch Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit können Unverträglichkeiten hervorrufen, die sich durch Magen-Darm-Beschwerden äußern, jedoch handelt es sich hierbei um Intoleranzen, nicht um klassische Allergien. Doch das Risiko gilt laut Experten als extrem gering. Selbst bei zugelassenen Süßstoffen wie Saccharin oder Natriumcyclamat liegen die Mengen weit unter dem, was eine Wirkung beim Menschen hätte. Allergien entstehen zudem meist durch Eiweiße – und nicht durch synthetische Süßstoffe und betreffen vor allem den direkten Konsum bestimmter Süßstoffe, nicht aber den indirekten Weg über Fleischprodukte.

Fazit

Ja, es können Süßstoffe im Milchaustauscher enthalten sein. Aber: Sie werden nur in geringen Mengen eingesetzt, dienen der Futteraufnahme und gelten als unbedenklich. Im Fleisch landen sie kaum oder gar nicht. Es gibt also nach heutigem Stand keinen Hinweis darauf, dass dadurch ein Risiko für Allergiker besteht. Allergien gegen Süßstoffe sind äußerst selten. Da die in MAT verwendeten Süßstoffe in sehr geringen Mengen eingesetzt werden und größtenteils nicht in das Fleisch übergehen, ist das Risiko für allergische Reaktionen beim Menschen als sehr gering einzuschätzen.

Ich finde solche Fragen sehr wichtig. Denn sie zeigen: Verbraucher wollen es wissen. Und als Landwirtin und Tierärztin möchte ich genau das: ein ehrlicher Dialog über unsere Tierhaltung, ohne Angst und ohne Beschönigung. Wenn Du noch weitere Fragen hast – schreiben Sie mir gerne!

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Dr. Anke Cras

Über mich: Ich bin Tierärztin und Landwirtin aus Leidenschaft. Mit meiner Familie lebe ich auf einem Milchviehbetrieb in der Grafschaft Bentheim. Seit über 20 Jahren arbeite ich täglich mit Kühen, Kälbern, Grünland und allem, was zur modernen Tierhaltung dazugehört. 

In meinem Blog teile ich Wissen aus der landwirtschaftlichen und tierärztlichen Praxis – verständlich erklärt, mit einem Blick über den Tellerrand. Mir ist es wichtig, dass nicht nur Fachleute, sondern auch Verbraucher:innen und Interessierte nachvollziehen können, wie Landwirtschaft bei uns betrieben wird.

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Wer schreibt hier?

Hallo, ich bin Anke und lebe mit meiner Familie auf einem Milchviehbetrieb in der Grafschaft Bentheim.
Ich bin Tierärztin und kümmere mich um die Gesundheit unserer Tiere – vom Kalb bis zur Kuh.
Auf meinem Blog schreibe ich über Landwirtschaft, Tierwohl, Rinderwissen, aktuelle Themen und Persönliches aus dem Hofalltag.

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