12 von 12 ist ein Blogformat, in dem man seinen Tag, den 12. eines Monats, in 12 Bildern beschreibt. Die Blogidee wird von Carolin von „Draußen nur Kännchen“ fortgeführt. Hier kannst du auch ganz viele andere 12 von 12 Artikel finden.
Heute stand zum zweiten Mal in diesem Jahr Mais häckseln auf dem Programm. Das bedeutet immer „Großkampftag“. Denn neben der normalen Arbeit läuft den ganzen Tag das Maishäckseln. Zum Glück hatten unsere Melker Zeit, uns morgens und abends zu unterstützen. Das macht schon immer viel aus, denn in der Zeit kann ich mich schon um andere Dinge kümmern. Mein Mann und meine beiden Söhne sind an so einem Tag fast ausschließlich mit der Maisernte beschäftigt. Das Häckseln und das Abfahren vom gehäckselten Mais übernimmt dabei ein Lohnunternehmen.

Morgens um 7 Uhr ist der erste vollgeladene Trecker mit Anhänger da und leert den Anhänger in unserem vorbereiteten Fahrsilo. Am Tag vorher haben wir die Wände des Fahrsilos mit Folie bedeckt.

Im Laufe des Vormittags wächst der Silohaufen. Ein Wagen nach dem anderen – es fahren drei Trecker mit Anhänger immer hin und her – lädt den gehäckselten Mais im Fahrsilo ab. Mit dem Radlader, der vorne ein Planierschild dran hat, wird der Mais dann verteilt. Zwei Trecker mit Gewichten vorne und hinten walzen den Silo. Der Mais muss gut verdichtet werden, damit er anschließend unter Luftabschluss gut siliert und damit dann etwa ein Jahr als Futter für die Kühe dient.

Um halb zehn zeigt mein Schrittzähler schon über 7000 Schritte an.

Frühstück für die Fahrer am Silohaufen.

Während der Silohaufen weiter wächst, die Kälber gefüttert sind und auch ich gefrühstückt habe, widme ich mich der Zubereitung des Mittagsessens. Es gibt Ofensuppe. Die habe ich schon am Abend vorher vorbereitet, sodass sie heute nur noch fertig kochen muss. Ich mache an solchen Tagen gerne Suppen, da man diese gut warm halten kann, bis es dann passt und alle Zeit zum Essen haben. Gegessen wird bei uns in der Garage, dann können sich alle so wie sie sind in Arbeitsklamotten und Arbeitsschuhen an den Tisch setzen. Nach einer kurzen Mittagspause geht es dann weiter.

Der Häcksler in Aktion. Der Häcksler erntet mehrere Reihen Mais gleichzeitig. Die werden in den Häcksler gezogen und im Inneren der Maschine klein gehäckselt. Man kann dabei einstellen, wie grob oder fein man den Mais gehäckselt haben möchte. Wir lassen den Mais grob häckseln, sogenannte Shredlage. Die Maiskörner werden bei der Shredlage größtenteils vermahlen. Wichtig ist, dass die Maiskörner nicht ganz in die Silage kommen, denn dann sind sie für die Kuh nicht zu verdauen und kommen unverändert wieder im Kot zum Vorschein. Beim Häckseln werden die Maiskörner also entweder vermahlen oder angeschlagen, das heißt aufgebrochen. Nur so ist die Stärke aus dem Maiskorn verfügbar.

So sieht ein Maishäcksler mit seinem Gebiss aus der Nähe aus. Auf dem Feld ist es dann ausgeklappt.

Zum Abschluss, es ist halb vier, gibt es noch einmal Tee und Kuchen. Netterweise hat meine Schwiegermutter leckeren Apfelkuchen gebacken. Anschließend haben die Fahrer des Lohnunternehmens bei uns Feierabend. Zum Plane drüberziehen, sind wir alleine.

Der Silohaufen ist gut gefüllt und gewalzt. Jetzt geht es ans Zudecken. Damit der Mais siliert und damit haltbar wird, muss er möglichst luftdicht verpackt werden. Zuerst werden die Randfolien, die die Wände schützen, über den Mais geklappt.

Am Trecker sind zwei Rollen mit Folie befestigt. Der Trecker fährt dann langsam von einem Ende des Silohaufens zum anderen Ende. Die dünne Unterziehfolie wird gleich auseinandergezogen, während die weiße Siloplane erst einmal nur ausgerollt wird.

Im nächsten Schritt wird die weiße Siloplane über die Unterziehfolie auseinandergezogen.

Dann kommt noch eine Schutzplane darüber. Bei uns heißt die „Krähenplane“. Diese Plane verhindert, dass zum Beispiel Vögel Löcher in die Folie picken, um an den Mais zu kommen. Dort, wo die Plane beschädigt ist, verdirbt der Silomais. Es kommt dann zum Einringen von Luft und Wasser und der Silo fängt an zu schimmeln. Da ich zu dieser Zeit schon wieder im Stall gearbeitet habe, ist dieses Foto vom Maissilohaufen von letzter Woche. Hier sind schon am Rand Sandsäcke platziert und die Folie mit Reifen beschwert. Dieser Silohaufen ist fertig und so wird der andere spätestens am Montag aussehen.
Nach dem Drüberziehen der Krähenplane wird dann noch die Stallarbeit fertig gemacht. Kühe und Kälber füttern, Boxen sauber machen, Stroh einstreuen, alle Tiere noch einmal kontrollieren und dann Türen zu und Licht aus.
Ein langer Tag, der mit über 19.000 Schritten endete. Um 21 Uhr waren wir alle oben und haben zusammen Abendbrot gegessen. Wenn alles gut gelaufen ist, ist man am Ende eines solchen Tages müde, aber glücklich. Gut, dass morgen Sonntag ist und ich ein bisschen Zeit zum Relaxen habe.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
Superspannend. Vielen Dank. Unser Garten grenzt direkt an einen Acker. Und in den letzten Jahren haben wir immer mal wieder einen Maishäcksler in Aktion gesehen. Schön zu sehen, was eigentlich direkt vor und hinter dem eigentlichen Häckseln geschieht.
(Wobei ich glaube, „unser“ Mais landet in einer Biogasanlage)
Puh, was für ein anstrengender Tag! Da brauchst du keine Bewegung mehr am „Wochenende“. Liebe Grüße
Biggi
Liebe Anke, danke für diesen Einblick, mit dem du uns zum Maishäckseln mitnimmst. Ich finde es jedes Mal superspannend, wenn du die Abläufe auf eurem Hof dokumentierst und beschreibst. Das ist so viel Arbeit und daneben läuft ja noch das Tagesgeschäft mit den Tieren. Da kannst du ja nicht sagen „Liebe Kühe, morgen haben wir einen anstrengenden Tag, deshalb bitten wir euch, Ruhe zu bewahren und nicht sauer zu sein, wenn es erst übermorgen wieder Futter gibt.“
Der Häcksler sieht aus wie ein stählernes Urvieh. Heißt das wirklich „Gebiss“?
Das ist echt verrückt, aber auf 19.000 Schritte am Tag komme ich höchstens, wenn ich Urlaub habe. Liebe Grüße Sylvia