12 von 12 im Juni 26

Seit langer Zeit habe ich mal wieder daran gedacht, bei 12-von-12 mitzumachen. Und das auch nur durch Zufall. Ich habe Ohrmarken bei den Kälbern eingezogen. Beim Beschriften der Begleitpapiere musste ich Datum und Unterschrift angeben – und da fiel es mir auf: der 12.! Also Handykamera bereit und den Tag in 12 Bildern festhalten, so wie es schon lange Tradition ist bei Caro von Draußen nur Kännchen.

Vier Spatzen sitzen auf einem Drahtgitterzaun vor einer dichten grünen Hecke

Morgens die Hühner füttern. Dann warten nicht nur die Hühner sehnsüchtig auf mich, sondern auch eine ganze Schar Spatzen – auf dem Bild habe ich nur vier erwischt. Während mir die Hühner direkt vor den Füßen herumlaufen, halten die Spatzen respektvollen Abstand.

Und das Warten lohnt sich: Denn morgens gibt es immer ein paar Handvoll getrocknete Mehlwürmer, im Gehege verteilt. Darauf sind Hühner und Spatzen gleichermaßen ganz heiß.

Bei den Hühnern hat das Füttern mit Mehlwürmern noch einen praktischen Nebeneffekt: Wenn sie mal ausbüchsen, reicht es, mit dem Eimer zu rappeln – und sie kommen sofort aus dem Garten, der Hecke oder dem dahinterliegenden Feld angelaufen, in der Hoffnung auf eine Extraration.

Hautstanzproben aus Ohrmarken von Kälbern in durchsichtigen Plastikbeuteln für den BVD-Test

Hier sind die Hautstanzproben, die routinemäßig bei den Kälbern auf BVD (BVD steht für Bovine Virusdiarrhoe – eine Viruserkrankung des Rindes, die zu Fruchtbarkeitsstörungen, Kälberverlusten und geschwächtem Immunsystem führen kann) untersucht werden. Eine gute Sache – denn Ohrmarken braucht jedes Kalb, das ist wie ein Personalausweis. Und die kleinen Gewebestückchen fallen beim Einziehen der Marken sowieso an. Man muss also keine extra Blutprobe ziehen, um das Kalb auf BVD zu testen. Die Untersuchung ist in Deutschland übrigens Pflicht – die Ohrmarke macht sie ganz nebenbei möglich.

Steuergerät des Milchtaxis von Förster Technik mit Display, das Uhrzeit 09:04 und Milchtemperaturen von 40,9 °C und 41,0 °C anzeigt

Das Milchtaxi im Einsatz: Ich leite die Milch von den Kühen im Roboter ab und wärme sie hier auf – etwas höher als nötig, nämlich auf 41 °C, weil sie im kalten Eimer sonst schon wieder abkühlt, bevor das Kalb trinkt. Mit dem Milchtaxi kann ich größere Mengen auf einmal verteilen, ohne viele Eimer schleppen zu müssen – und die Menge pro Kalb lässt sich genau dosieren.

Screenshot der Duolingo-App mit der Anzeige Super Duolingo und dem Hinweis Nutze reflexive Verben für Routinen

Während ich darauf warte, dass die Milch für die Kälber warm wird – schnell noch eine Lektion Spanisch in Duolingo.

Besamungsgerät mit Sternrührwerk in einem weißen Eimer, darüber ein orangefarbener Behälter für das Auftauen von Besamungspailletten

Dann noch zwei Kühe besamen. Seit etwa einem Jahr mache ich das selbst. Auf dem Foto sieht man den Kessel, in dem die Samenportionen in Pailletten in flüssigem Stickstoff aufbewahrt werden.

Will ich eine Kuh besamen, suche ich die passende Paillette heraus, taue sie im Wasserbad auf und packe sie in das Besamungsgerät. Dann geht es zur Kuh – der Samen wird direkt in die Gebärmutter eingebracht.

Alle 14 Tage kommt außerdem ein Besamungstechniker zur Trächtigkeitsuntersuchung per Ultraschall, und wir besprechen gemeinsam schwierige Fälle.

Logo der NLB online Buchführungssoftware: grüner Kreis mit weißem lachenden Gesicht und dem Schriftzug nlb online

Anschließend Buchführung. Über ein Programm der nlb werden alle Rechnungen digitalisiert und direkt an die Buchstelle geschickt. Viele kommen ja bereits digital an – die Rechnungen per Post scanne ich kurz mit dem Handy.

Screenshot eines E-Mail-Newsletter-Editors mit dem Betreff Hofgefluester und dem Inhalt auf ankecras.de

Freitags wird der Newsletter verschickt – der will noch geschrieben werden. Das erledige ich mithilfe von KI in etwa 45 Minuten: Ich schreibe einfach alles auf, was drin sein soll, so wie es mir einfällt, und die KI baut daraus einen strukturierten Newsletter. Eine große Arbeitserleichterung.

Kuhstall mit DeLaval-Melkroboter und einem großen Ventilator, Kühe stehen am Futtertisch

Nachdem ich noch im Fitnessstudio war – einmal die Woche – und eingekauft habe, ist es schon wieder Zeit für den Stall. Ich fange mit dem Kühe-umtreiben an.

Das bedeutet: Kühe, die ihren Melkintervall überschritten haben, werden zum Roboter getrieben und dort im Wartebereich eingesperrt. Von dort können sie nur durch den Roboter zurück zu ihren Liegeboxen oder zum Fressen. Manche Kühe – besonders die, die nicht mehr so viel Milch geben – brauchen dabei oft eine extra Einladung. Die meisten wissen aber auch schon, was kommt: Wenn ich durch die Reihen gehe, stehen diese Kühe oft schon auf, bevor ich bei ihnen bin, und laufen Richtung Roboter.

Bei uns sollen alle Kühe mindestens zweimal täglich gemolken werden – so wie früher im Melkstand. Deshalb treiben wir säumige Kühe zweimal täglich zum Roboter. Mein Mann macht das morgens, ich abends.

Schwarz-weiße Kühe stehen am Fressgitter im Stall und fressen Silage

Dann geht es zum Kälberfüttern. Die Kleinen bekommen Milch aus dem Milchtaxi, die Größeren wollen natürlich auch was. Sie bekommen Kälber-TMR – das ist eine Mischung aus gehäckseltem Stroh (Raufutter, wichtig für die Pansenentwicklung), Kraftfutter sowie Getreide, Mais, Melasse und weiteren Zutaten.

Neugeborenes Kalb liegt tief in frischem Stroh in einer Kälberbox mit gelber Ohrmarke

Frisches Stroh für die Kälber in ihren Boxen.

Schwarzer Hund liegt auf Pflastersteinen und wird von einer Hand gestreichelt

Zwischen den Arbeiten möchte der Hund noch seine Streicheleinheiten – dafür ist immer Zeit.

Zapfhahn eines Milchtanks mit frischer Milch, daneben ein blauer Behälter auf einem Gitterrost

Zum Schluss noch Milch für uns aus dem Tank holen. Abends gibt es bei uns meistens Milch – kalt oder warm, pur oder als Kakao.

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Dr. Anke Cras

Über mich: Ich bin Tierärztin und Landwirtin aus Leidenschaft. Mit meiner Familie lebe ich auf einem Milchviehbetrieb in der Grafschaft Bentheim. Seit über 20 Jahren arbeite ich täglich mit Kühen, Kälbern, Grünland und allem, was zur modernen Tierhaltung dazugehört. 

In meinem Blog teile ich Wissen aus der landwirtschaftlichen und tierärztlichen Praxis – verständlich erklärt, mit einem Blick über den Tellerrand. Mir ist es wichtig, dass nicht nur Fachleute, sondern auch Verbraucher:innen und Interessierte nachvollziehen können, wie Landwirtschaft bei uns betrieben wird.

Mehr über mich erfährst du hier.

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Eine Person, die eine Brille und eine blaue Jacke trägt, steht in einem Stall und hält den Kopf einer schwarz-weißen Kuh an ihre Brust. Im Hintergrund sind Heu und Metallboxen zu sehen.

Wer schreibt hier?

Hallo, ich bin Anke und lebe mit meiner Familie auf einem Milchviehbetrieb in der Grafschaft Bentheim.
Ich bin Tierärztin und kümmere mich um die Gesundheit unserer Tiere – vom Kalb bis zur Kuh.
Auf meinem Blog schreibe ich über Landwirtschaft, Tierwohl, Rinderwissen, aktuelle Themen und Persönliches aus dem Hofalltag.

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