Seit langer Zeit habe ich mal wieder daran gedacht, bei 12-von-12 mitzumachen. Und das auch nur durch Zufall. Ich habe Ohrmarken bei den Kälbern eingezogen. Beim Beschriften der Begleitpapiere musste ich Datum und Unterschrift angeben – und da fiel es mir auf: der 12.! Also Handykamera bereit und den Tag in 12 Bildern festhalten, so wie es schon lange Tradition ist bei Caro von Draußen nur Kännchen.

Morgens die Hühner füttern. Dann warten nicht nur die Hühner sehnsüchtig auf mich, sondern auch eine ganze Schar Spatzen – auf dem Bild habe ich nur vier erwischt. Während mir die Hühner direkt vor den Füßen herumlaufen, halten die Spatzen respektvollen Abstand.
Und das Warten lohnt sich: Denn morgens gibt es immer ein paar Handvoll getrocknete Mehlwürmer, im Gehege verteilt. Darauf sind Hühner und Spatzen gleichermaßen ganz heiß.
Bei den Hühnern hat das Füttern mit Mehlwürmern noch einen praktischen Nebeneffekt: Wenn sie mal ausbüchsen, reicht es, mit dem Eimer zu rappeln – und sie kommen sofort aus dem Garten, der Hecke oder dem dahinterliegenden Feld angelaufen, in der Hoffnung auf eine Extraration.

Hier sind die Hautstanzproben, die routinemäßig bei den Kälbern auf BVD (BVD steht für Bovine Virusdiarrhoe – eine Viruserkrankung des Rindes, die zu Fruchtbarkeitsstörungen, Kälberverlusten und geschwächtem Immunsystem führen kann) untersucht werden. Eine gute Sache – denn Ohrmarken braucht jedes Kalb, das ist wie ein Personalausweis. Und die kleinen Gewebestückchen fallen beim Einziehen der Marken sowieso an. Man muss also keine extra Blutprobe ziehen, um das Kalb auf BVD zu testen. Die Untersuchung ist in Deutschland übrigens Pflicht – die Ohrmarke macht sie ganz nebenbei möglich.

Das Milchtaxi im Einsatz: Ich leite die Milch von den Kühen im Roboter ab und wärme sie hier auf – etwas höher als nötig, nämlich auf 41 °C, weil sie im kalten Eimer sonst schon wieder abkühlt, bevor das Kalb trinkt. Mit dem Milchtaxi kann ich größere Mengen auf einmal verteilen, ohne viele Eimer schleppen zu müssen – und die Menge pro Kalb lässt sich genau dosieren.

Während ich darauf warte, dass die Milch für die Kälber warm wird – schnell noch eine Lektion Spanisch in Duolingo.

Dann noch zwei Kühe besamen. Seit etwa einem Jahr mache ich das selbst. Auf dem Foto sieht man den Kessel, in dem die Samenportionen in Pailletten in flüssigem Stickstoff aufbewahrt werden.
Will ich eine Kuh besamen, suche ich die passende Paillette heraus, taue sie im Wasserbad auf und packe sie in das Besamungsgerät. Dann geht es zur Kuh – der Samen wird direkt in die Gebärmutter eingebracht.
Alle 14 Tage kommt außerdem ein Besamungstechniker zur Trächtigkeitsuntersuchung per Ultraschall, und wir besprechen gemeinsam schwierige Fälle.

Anschließend Buchführung. Über ein Programm der nlb werden alle Rechnungen digitalisiert und direkt an die Buchstelle geschickt. Viele kommen ja bereits digital an – die Rechnungen per Post scanne ich kurz mit dem Handy.

Freitags wird der Newsletter verschickt – der will noch geschrieben werden. Das erledige ich mithilfe von KI in etwa 45 Minuten: Ich schreibe einfach alles auf, was drin sein soll, so wie es mir einfällt, und die KI baut daraus einen strukturierten Newsletter. Eine große Arbeitserleichterung.

Nachdem ich noch im Fitnessstudio war – einmal die Woche – und eingekauft habe, ist es schon wieder Zeit für den Stall. Ich fange mit dem Kühe-umtreiben an.
Das bedeutet: Kühe, die ihren Melkintervall überschritten haben, werden zum Roboter getrieben und dort im Wartebereich eingesperrt. Von dort können sie nur durch den Roboter zurück zu ihren Liegeboxen oder zum Fressen. Manche Kühe – besonders die, die nicht mehr so viel Milch geben – brauchen dabei oft eine extra Einladung. Die meisten wissen aber auch schon, was kommt: Wenn ich durch die Reihen gehe, stehen diese Kühe oft schon auf, bevor ich bei ihnen bin, und laufen Richtung Roboter.
Bei uns sollen alle Kühe mindestens zweimal täglich gemolken werden – so wie früher im Melkstand. Deshalb treiben wir säumige Kühe zweimal täglich zum Roboter. Mein Mann macht das morgens, ich abends.

Dann geht es zum Kälberfüttern. Die Kleinen bekommen Milch aus dem Milchtaxi, die Größeren wollen natürlich auch was. Sie bekommen Kälber-TMR – das ist eine Mischung aus gehäckseltem Stroh (Raufutter, wichtig für die Pansenentwicklung), Kraftfutter sowie Getreide, Mais, Melasse und weiteren Zutaten.

Frisches Stroh für die Kälber in ihren Boxen.

Zwischen den Arbeiten möchte der Hund noch seine Streicheleinheiten – dafür ist immer Zeit.

Zum Schluss noch Milch für uns aus dem Tank holen. Abends gibt es bei uns meistens Milch – kalt oder warm, pur oder als Kakao.


Liebe Anke, das war ein sehr interessanter Artikel. Die Frage, ob Laktoseintoleranz heute häufiger ist, habe ich mir auch schon…