12 Gründe, warum ich Tierärztin für Rinder geworden bin

  1. Ich mag große Tiere: In meinen Kleintierpraktika oder auch im Kleintiernotdienst wird es mir immer wieder klar, ich brauche etwas zwischen den Händen. Zwerghamster oder Singvögel sind nicht meine Welt. Ich habe einen Hang zu großen Tieren, die auch mal ein festeres Anpacken vertragen. So habe ich zu Hause nicht nur Milchkühe, sondern auch große Hunde und große Hühner.
  2. Rinder sind meistens nicht lebensgefährlich: In der Regel sind Rinder umgängliche Tiere, die man gut händeln kann. Im Gegensatz zu Pferden sind sie keine Paniktiere. Trotzdem ist natürlich Vorsicht geboten, denn auch wenn sie es nicht so meinen, zieht man bei 600 kg Körpergewicht doch eher den Kürzeren.
  3. Neugierige, nette Tiere: Kühe sind sehr neugierige Tiere und kommen erst einmal zum Gucken und Beschnuppern auf einen zu.
  4. In der der Ausbildung durfte man schon viel selber machen: In meiner Tierarzt-Ausbildung durfte man in der Klinik für Rinder schon viel selbst Hand anlegen, während man in der Pferdeklinik dann doch eher zum Zuschauen verdonnert war. Pferde sind halt deutlich wertvoller als Kühe.
  5. Nette Klientel: Ich habe die Landwirte als Klientel meistens als sehr angenehm empfunden. Bodenständig, eher wortkarg und mit beiden Beinen im Leben. In meiner Tätigkeit in der Kleintiersprechstunde wusste ich manchmal nicht, wer die Betreuung nötiger hatte – Tier oder Besitzer.
  6. Über Land fahren: Was ich total genossen habe, war es, im Auto von Hof zu Hof zu fahren. Man hatte immer kurz Zeit, sich zu sammeln, sich auf den nächsten Besuch vorzubereiten und den letzten Besuch ausklingen zu lassen. Wenn nötig, konnte man eine kleine Pause einlegen und die Landschaft genießen.
  7. Geburtshilfe: Die Geburtshilfe bei Kühen ist schon oft ein Kraftakt. Umso schöner, wenn dann alles klappt und man fertig ist – körperlich und zeitlich, aber ein oder mehrere Kälbchen gesund das Licht der Welt erblickt haben. Das macht schon Spaß. Es macht mir auch nichts aus, bis zur Schulter dabei in der Kuh zu stecken, um zum Beispiel an ein abgeknicktes Bein des Kalbes zu gelangen.
  8. Körperliche Arbeit: ich liebe es, mit meinem Körper die Arbeit zu spüren und am Ende des Tages zu wissen und zu merken, was man alles gemacht hat.
  9. Vielseitig – von Chirurgie, Innere Medizin, Klauenpflege: Der Großtierpraktiker ist vieles in einer Person. Während man sich in der Kleintiermedizin oft spezialisiert, ist man hier alles in einem. Sowohl Tierarzt als auch Tierpfleger oder Tierarzthelfer. Zwischendurch wird der Landwirt dann noch in eine dieser Tätigkeiten angewiesen, und zwar so, dass allen nichts passiert. Die Klauenpflege mag ich besonders: mit der Flex das Horn abhobeln, die Feinheiten mit dem Messer nachschneiden, eventuell noch ein Klotz kleben mit Zweikomponentenkleber – richtiges Handwerk eben.
  10. Draußen arbeiten: In der Großtierpraxis hat man auch öfter draußen zu arbeiten oder muss Sachen aus seinem Praxiswagen holen. Die Jahreszeiten und das Wetter erlebt man hautnah mit.
  11. Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Auf den Höfen werden Probleme oft mit anderen Experten besprochen. Da gibt es Futterberater, Lüftungsexperten, Besamungstechniker etc. Jeder hat sein Spezialgebiet und kann sein Wissen einbringen. Der Tierarzt sollte das dann alles bewerten können und eine Problemlösung finden. Das ist eine tolle Symbiose, denn man kann sich nicht in allem expertengleich auskennen. Jeder kennt sich mit seinem tagtäglichen Geschäft am besten aus.
  12. Einzeltierbehandlung, aber auch Herdenmanagement: In der Rinderpraxis hat man mit dem Einzeltier und seiner spezifischen Erkrankung zu tun. Aber das Herdenmanagement und die Gesunderhaltung und Vorbeuge von Erkrankungen gewinnen immer mehr an Bedeutung; auch durch das Antibiotika-Monitoring und den damit verbundenen Auftrag, Antibiotika einzusparen. Im Fruchtbarkeitsmanagement sollte man ebenfalls die ganze Herde im Blick haben, um Probleme beim Einzeltier besser einschätzen zu können.

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Dr. Anke Cras

Über mich: Ich bin Tierärztin und Landwirtin aus Leidenschaft. Mit meiner Familie lebe ich auf einem Milchviehbetrieb in der Grafschaft Bentheim. Seit über 20 Jahren arbeite ich täglich mit Kühen, Kälbern, Grünland und allem, was zur modernen Tierhaltung dazugehört. 

In meinem Blog teile ich Wissen aus der landwirtschaftlichen und tierärztlichen Praxis – verständlich erklärt, mit einem Blick über den Tellerrand. Mir ist es wichtig, dass nicht nur Fachleute, sondern auch Verbraucher:innen und Interessierte nachvollziehen können, wie Landwirtschaft bei uns betrieben wird.

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Ich bin Tierärztin und kümmere mich um die Gesundheit unserer Tiere – vom Kalb bis zur Kuh.
Auf meinem Blog schreibe ich über Landwirtschaft, Tierwohl, Rinderwissen, aktuelle Themen und Persönliches aus dem Hofalltag.

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Sabine Landua

    Liebe Anke,
    deine Gründe waren spannend zu lesen und auch wenn ich nichts mit Kühen zu tun habe, kann ich einige deiner Gründe gut nachvollziehen, vor allem Nr. 6. Auch Nr. 5 verstehe ich gut und beobachte dies auch immer wieder, wenn ich mit meinem Hund im Wartezimmer des Tierarztes sitze 😉 Ich wünsche dir weiter viel Freude bei deiner Arbeit und freue mich darauf Neues von dir zu lesen.

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Anke

      Liebe Sabine!
      Danke für deinen Kommentar. Mittlerweile bin ich ja nur noch auf dem eigenen Hof als Tierärztin tätig und kann diese Punkte nicht mehr genießen.
      Liebe Grüße
      Anke

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